Fian beendete seinen letzten Akkord und kündigte eine Pause an. Er verbeugte sich wie es sich gehörte vor seinem Publikum und ging zum Thresen an der Bar. Ja, sein Hals Hals war von der länge der Ballade über das Echo der Nacht recht trocken, und so bestellte er sich einen Becher mit Pine Met. Als der Becher so vor ihm stand, sah er bedächtig hinein, und flüsterte bedächtig: „Na dann, auf diesen Abend. Und auf Euch hier in der Taverne, meine Freunde.“ Neben ihm flüsterte eine ihm wohl bekannte Stimme: „So schweren Herzens, kleiner Barde? Ihr habt doch Erfolg mit Eurer Geschichte. Ihr beherrscht Euer Handwerk, das gebe ich zu.“ Ohne aufzusehen antwortete Fian: „Ich hoffe, Ihr seid nicht allzu enttäuscht, dass ich eine Geschichte, die es wert ist zu erzählen gewählt habe und keine Lobpreisungen auf Eure Schönheit.“ Es legte sich eine sanfte Pfote auf die Schulter, und jetzt sah er sie doch an. Fast würde er schwören sie musste irgendwie aus den Tiefen ihrer selbst lächeln. „Nein gar nicht, kleiner Barde, ganz im Gegenteil. Alle hätten in dieser Situation etwas derartiges getan, oder zuindest die glorreichen Wölfe besungen. Du aber hast ein düsteres Kapitel aufgeschlagen, das nichts mit dir zu tun hat. Ich bin tatsächlich neugierig, wie es weitergeht.“ Er antwortete leise: „Es ist eben eine jener Geschichten, die es wert ist, erzählt und bewahrt zu werden.“
Die Wölfin flüsterte ihm leise ins Ohr: „Aber vergiss bei all deinem Talent nicht, dass ein Weg begangen werden muss. Ob wir wollen oder nicht, wir werden uns des Nachts wiedersehen müssen.“ Mit diesen Worten ging sie zurück in Ihre Ecke und bettete ihren Kopf auf ihren Pfoten. Er spürte, wie ihre kühlen Augen heute Abend nur auf ihn und seine Geschichten am Kaminfeuer gerichtet waren.
Er nahm noch einen Schluck von seinem Pine Met, und stimmte dann bedächtig seine Laute nach. Dann erhob er sich und ging zum Kamin, um mit hoch erhobenen Hauptes, die Geschichte des Boraida weiter zu erzählen:
Gnadenlos schwanden sie dahin und mit ihnen auch seine Hoffnung zu überleben. Am Ende seiner Kräfte sank er auf die Knie und sprach laut: „Tod? Auf ein Neues, das letztes Mal hast du mich ja doch nicht erwischt!“ Mit diesen Worten sackte er kraftlos zusammen und schlief ausgedorrt von Hunger und Durst ein. Früh am Morgen erwachte er, wie immer, von einem grausigen Alptraum geschüttelt. Ein Knacken, ein Donnergrollen, irgendetwas traf ihn und immer wieder das Gesicht des Schmieds. Er kauerte sich voller Panik zusammen unter einem Baum und wartete auf den Sonnenaufgang. „Tod, nimm endlich deine gnädige Hand und erlöse mich!“ klagte er. Er konnte fühlen, wie er den Verstand verlor.
Doch nichts geschah.
Oder doch? Oh er hätte schwören können, dass… – Eine Stimme? Still blieb er sitzen und lauschte. Da kam ihm doch tatsächlich jemand entgegen! Es war eine Frau und sie sang ein Lied. Nun, sie musste von irgendwoher gekommen sein, vielleicht ein Dorf. Sie kann er fragen. Also stand er auf und mühte sich den Weg entlang, ihrer Stimme entgegen. Schließlich, in einem seichten Tal kam sie ihm entgegen.
Sie tanzte und sang.
Als sie Boraida sah, kam sie freudig angelaufen und begrüßte ihn herzlich. „Willkommen Fremder…“, kicherte sie, „hast du dich verlaufen?“ „Nein.. ja… also ich weiß nicht.“ fing Boraida an. Er hatte mit Vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Situation hier. „Na, dann komm doch einfach erstmal mit mir mit.“
schlug sie fröhlich vor. „Sehr gerne!“ Boraida war einfach nur glücklich, endlich nach so langer Zeit ein anderes Wesen zu treffen. „Wie ist denn dein Name?“ Sie schaute ihn fröhlich an: „Ich bin Anna.“ So liefen sie gemeinsam den Weg entlang, allerdings zurück durch das Tal, aus dem er gerade kam. Nach einer Weile fragte Boraida: „Darf ich fragen, wohin wir gehen?“ Sie kicherte fröhlich: „Zum Schmied! Er ist der einzige hier weit und breit, und er wollte mir etwas ganz besonderes schenken.“
Abrupt blieb Boraida stehen.
Selbst wenn sie den langen Weg schaffen würden, der Schmied war doch von ihm erschlagen worden „Anna…,“, fing er vorsichtig an, „findest du nicht, das es etwas weit ist, um einfach mal eben dort hin zu gehen?“ Anna schaute ihn mit einer Mischung aus Unverständnis und Neugier an und deutete auf den sanften Hügel, der vor ihnen lag: „Wieso? das ist doch gleich da oben, links vom Weg.“ Als er ihrer Hand mit den Blicken folgte, hörte er es:
DING… DING… DINGDING…
Er war bis zum Ende seiner Vorräte tagelang gewandert, und jetzt… nein, es muss eine andere Schmiede sein! „Kommst du?“, fragte sie und zog ihn an der Hand weiter. Er ließ sich mitziehen, teilweise aus Neugier, teilweise weil er gar nicht so recht wusste, was er tun sollte. Hatte ihn sonst jemand gesehen? Eigentlich nicht, und das hieße, er könne gleich als unschuldiger Zeuge zufällig auftauchen. Heimlich ließ er das leere Bündel, welches er dem Schmied geklaut hatte, hinter einem Baum verschwinden und ließ sich von ihr mitziehen.
Sie erreichten den Hügel und schlugen sich dort in das Unterholz. Nach ein paar Metern erreichten sie einen kleinen Pfad, welcher sich in Richtung Schmiede schlängelte. Anna kicherte: „viele finden den kleinen Pfad nicht, und bahnen sich einen Weg quer durch das Unterholz.“ Boraida wurde abwechselnd heiß und kalt – irgendwie kannte er den ganzen Ort hier. So wenig kann er doch nicht gewandert sein in all den vielen Tagen!
Schließlich kamen sie um die Ecke und … da stand er, der Schmied!
Anna lies seine Hand los und rannte freudig auf den Schmied zu, um ihn zu begrüßen. „Hallo Anna!“ rief der Schmied und umarmte sie herzlich. Dann blickte er auf und schaute Boraida direkt in die Augen. „Wer ist denn dein Freund?“ „Ach, nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat.“ Der Schmied wandte sich Anna wieder zu: „Sind wir das nicht alle?“ Kichernd sagte sie: „Ich glaube, er muss ganz dringend irgendwo hin…“ Der Schmied nahm Anna in den Arm und ging mit ihr zur Hütte. Beiläufig sagte er: „Jetzt gehen wir erst einmal essen, ich habe einen riesigen Hunger. Boraida hingegen war der Hunger in diesem Moment vergangen.
Was zum Teufel war hier los?
Stunden vergingen, und nach einer Weile kam der Schmied aus seiner Hütte und ging direkt zum Schmiedeblock, um seine Arbeit zu beginnen. Boraida saß etwas abseits, und wartete auf Anna. Sie kam nicht. „Schmied?“, fragte er, „Wo ist Anna geblieben?“ Der Schmied antwortete ohne einmal auf zu sehen: „Hier ist niemand.“ Boraida stand auf und meinte genervt: „Das kann nicht sein, ich bin mit Anna den Hügel hier hinauf gekommen.“ Der Schmied legte sein Werkzeug beiseite und schaute ihm direkt in die Augen Dann sprach er fest: „Jüngelchen, behauptest du etwa, dass ich lüge?“ Boraida glaubte zu spüren, wie der Blick ihn zu durchbohren schien, bis tief in die Abgründe seiner eigenen Seele.
Er erwiderte den Blick und fragte standhaft: „Wer bist du?“
Der Schmied taxierte ihn noch einige Sekunden, drehte sich auf einmal um und begann, etwas Eisen in sein
Schmiedefeuer zu legen. „Nur der Schmied.“, meinte er, „Nicht mehr und nicht weniger.“ „Der Schmied?“ – Boraida wurde wütend – „Der Schmied von was?“ Er antwortete nicht, tat so, als ob diese Frage niemals gestellt worden wäre. Boraida ging gerade auf den Schmied zu: „Ich habe eine Frage gestellt, höflich wäre eine Antwort! Der Schmied von WAS bist du?“ Mit diesen Worten packte er den Schmied an der Schulter. Da wirbelte er herum und fixierte Boraida mit einem eiskalten Blick: „Nur der Schmied von dem, was du siehst.“ „Und…“, fing Boraida verärgert an, „was sehe ich?“
Der Schmied fing an zu lachen: „Eine Schmiede, was sonst?“
Boraida schlug ihm mit der Faust so hart ins Gesicht, dass er zu Boden ging und Blut spuckte. „Also, fangen wir noch einmal an, du bist der Schmied von WAS? Ich hätte gerne ein paar Antworten auf meine Fragen, oder…“ „Oder Was?“, der Schmied stand auf und schaute Boraida erwartungsvoll an. Anstatt eine Antwort ab zu warten griff der Schmied mit seinen Tellergroßen Händen nach Boraidas Hals und drückte ihm die Luft weg. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sich die Geschichte wiederholt oder?“ raunte er grinsend ins Ohr. Boraida spürte wie etwas seine Kehle zuschnürte und die Lungen zu brennen begannen – nach Luft schrien! In Panik griff er nach seinem Messer an der Hüfte und warf es. Er traf das Bein des Schmieds, doch der lachte nur gehässig. „Stock und Stein, brechen mir ein Bein, oh…“ Im Todeskampf trat und schlug er wild um sich, doch die eisernen Pranken des Schmieds hielten ihn wie Zangen fest und pressten gnadenlos das Leben aus seinem Leib. Irgendwann sank endlich dunkelroter Nebel, der den
Blick verschwimmen ließ. Das letzte, das er noch vernahm, war das wirre Lachen des Schmieds.
Dann wurde es dunkel, still und leer.
Boraida saß senkrecht im Gebüsch. Neben ihm lag Anna … und schlief? Er stubbste sie an. „Anna?“, fragte er. Sie räkelte sich und rieb sich dann den Schlaf aus den Augen. „Guten Morgen!“, rief sie fröhlich. Er dachte nach. Immerhin lebte er noch, also schlecht konnte der Morgen schon einmal nicht sein. Aber wie ist er hierhin gekommen? „Hast du mich hierher gebracht?“, fragte er. Sie schaute ihn fragend an: „Ne, wir sind von dahinten gekommen und haben uns hier schlafen gelegt.“ Dann kicherte sie „Und du hast im Traum gesprochen. Ist ja lustig, was du alles geträumt hast.“ Er dachte nach. Na ja, das würde wohl vieles erklären. Wenn ALLE Erlebnisse bis jetzt ein Traum gewesen waren, dann würde es bedeuten, dass…
Er schaute nach den Stichwunden, die er immer im Traum erlitten hat.
Sie waren nicht da. Keine einzige. Also doch ein Traum? Misstrauisch blickte er sich um. Die rötliche
Morgensonne blitzte durch die Zweige und hier und da zwitscherte ein Vogel sein Morgenlied, eine Biene
summte vorbei. Er öffnete seinen Vorratsbeutel. Ja, da waren noch viele Lebensmittel, mehr als genug. Und er hatte Hunger. Es ist als hätte er tagelang nichts gegessen. Naja, dachte er sich, bestimmt alles nur Einbildung, bei einem so echt erscheinenden Traum. „Hast du Hunger, Anna?“ fragte er, als er das Frühstück vorbereitete. „Oh ja“, antwortete sie, „ich könnte ein ganzes Spanferkel verdrücken. Aber Brot wird es auch tun, denke ich.“ Dann kicherte sie.Er dachte nach, was wollten sie hier eigentlich noch,
irgendwie ist es ihm entfallen. Naja, dachte er sich, sie wird es bestimmt wissen. Also fragte er vorsichtig mit einem schiefen Grinsen: „Und was machen wir nach dem Frühstück?“ „Och…“ antwortete sie und warf sich demonstrativ zurück in ihr Bett aus weichem Waldboden zurück, „wie wäre es, wenn wir hier bleiben, und einfach mal rasten? Wir sind ja schließlich nicht seit gestern unterwegs. Und der Schmied läuft uns nicht weg.“ Sie streckte sich genussvoll auf dem weichen Boden und kicherte. Er setzte ein schelmisches Lächeln auf, aber in seiner Kehle spürte er nichts anderes als einen erstickten und
lautlosen Schrei.
Nach dem Frühstück gingen sie gemeinsam einen sanften Hügel hinauf. Jenen, den er schon so oft gesehen hatte im Traum. Nur der Wald war nicht als ewiger Grabhügel dem Tode geweiht, still und eisig, sondern voller Leben. Kaninchen spielten am Wegesrand, Vögel sangen um die Wette und das Stakkato eines Spechts stimmte munter mit ein. Boraida wusste nicht, wo er zuerst hinschauen sollte, so viel gab es zu entdecken und zu sehen. Anna tanzte neben ihm glücklich den Weg hinauf und freute sich über jedes Wesen, welches sie sah. Welch sonniges Gemüt, dachte sich Boraida, so was hatte er noch nie erlebt. Unvermittelt blieb sie stehen und kniete sich dann hin, um mit irgendjemandem zu reden. „Hallo, Herr Hummel“, fing sie an, „Wie ist das werte Wohlbefinden?“, kicherte sie. Boraida schaute ihr neugierig über die Schulter und auf einer Butterblume am Wegesrand saß wirklich eine Hummel und brummte mit den Flügeln. „Ist nicht war, echt?“, staunte Anna, „Und das habt ihr gemacht?“ kicherte sie wieder. „Aber findet ihr das nicht etwas unfair?“ Boraida stubbste sie leicht an: „Was… ähm… was machst du da, Anna?“ „Och,“ meinte sie knapp, „ich hör mir nur den neuesten Klatsch und Tratsch an. Du glaubst ja gar nicht, was seinem Vetter dritten Grades hier in der Nähe passiert ist, BOA…!“ „Öh… ja… also…“, fing Boraida an, „findest du nicht, das es etwas wichtigeres gibt, das wir tun müssen?“
Sie stand auf und schaute ihn mit ihren bleigrauen Augen an.
„Was denn?“, fragte sie neugierig. „Also ich gehe nur zum Schmied, weil du zum Schmied gehen willst.“ „Aber ich dachte, du hast … „, fing sein Protest an, aber irgendwie fand er nicht die richtigen Worte, da er ja alles nur geträumt hatte. Und das hieße, dass Anna eben nicht auf den Weg zum Schmied ist. Wenn er sich doch nur erinnerte, was er tun wollte, verdammt noch eins! „Was hast du denn wichtiges zu tun?“, bohrte sie nach. „Das hast du mir überhaupt noch gar nicht erzählt!“ Er glaubte ein Funkeln in den Tiefen ihrer Augen zu sehen, als sie bemerkte, dass da ein Messer war in seinem Ego, welche sie genussvoll herumdrehen kann. „Naja, …“ sagte er hilflos, „ist so ‚ne Art von Geheimauftrag, da darf ich nicht so reden.“ Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn weiter: „Na denn mal los, Herr Geheimnisträger!“ Schweigsam lief er mit.
DING DIND DING…. DINGDING … ZSCH…
Unheil verkündend dringen die Geräusche der Schmiede durch den Wald. Je mehr sie sich der Schmiede näherten, desto stiller wurde es. Es war, als wenn die Natur und alles Leben respektvoll Abstand hielt vor diesem Ort. Anna zog Boraida gnadenlos in diese eisige Stille. Er lies sich mitziehen. „Komm schon, oder traust du dich nicht?“, flötete sie fröhlich dabei. Er seufzte, dachte nur noch daran, diese schicksalhafte Begegnung hinter sich zu bringen und endlich …ja…wohin eigentlich dann zu gehen?Vielleicht ist diese Schmiede ja wirklich das Einzige, was er im Augenblick noch hat in seinem Leben?
Plötzlich standen sie vor der Abzweigung. Nebel legte sich wie aus dem Nichts über das Land und
die Zeit schien still zu stehen. Nur noch er, Anna und diese verfluchte Schmiede waren da. „Na los jetzt, du Wanderer!“ Anna zog ihn gnadenlos in das Unterholz. Die Dornen ritzten ihn an den Versen und er stolperte mehr als nur einmal. Und dann standen sie vor der Schmiede.
Da stand er, der Schmied.
Doch sein Anblick, Boraida gefror das Blut in den Adern. Ein Auge des Schmieds war rot gefärbt und er hatte Würgemale am Hals! Das Bein war verbunden von einer Stichwunde. Er sah seine beiden Gäste an und sagte nichts. Schaute einfach nur, mehr nicht. Schließlich zerschnitt Anna diese Stille mit ihrer fröhlichen Stille: „Ich habe ihn wiedergefunden, den verlorenen Wanderer. Ist das nicht toll?“ Der Schmied nickte: „Ja, die Träume finden alles.“ Anna kicherte: „Meinst du, er verläuft sich wieder?“ Der Schmied schaute aus seinem blutroten Auge heraus Boraida groß an und zuckte dann mit den Schultern: „Das wird sich zeigen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und schmiedete weiter.
DING … DING … DINGDING… ZSCH
„Äh… Herr Schmied?“ Der Schmied hob die Hand: „Einen Augenblick, ich bin gerade an einer kritischen
Stelle!“ Anna ließ Boraidas Hand los und lief zum Schmied hin. Der Schmied hielt ein glattes Blatt Metall hoch und Anna fragte: „Und, ist es fertig?“ Der Schmied nickte, und antwortete: „Lass uns was Essen gehen.“
Damit nahm er Anna in den Arm und sie gingen zu der Hütte hinüber.
Boraida blieb alleine zurück, und sah sich um. Auf dem Amboss lag noch das glatte Metallblatt. Neugierig ging er hin und nahm es in die Hand. Seltsame Linien und Figuren waren darauf zu sehen, aber er konnte nichts erkennen. Und dennoch, es war ihm alles bekannt. Fasziniert betrachtete er die Linien.
„Ja, das ist für dich, Jüngelchen…“
Boraida zuckte zusammen, er hatte gar nicht bemerkt, wie der Schmied wieder herausgekommen war. „Wo ist Anna?“, fragte er. „Überall und Nirgends.“ antwortete der Schmied, „Hast du sie nicht erkannt?“ „Du meintest, Träume finden alles… Ist sie das? Ein Traum?“ Boraida schaute den Schmied fragend an. „Sie, Du, Ich… ist das wichtig, wer wessen Traum ist? Du bist hier.“ „Wie bin ich hierher gekommen?“ Der Schmied schaute Boraida aus seinem roten Auge an: „Wie alle, die hierher kommen, wenn sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen.“ „Wie oft war ich schon hier?“, fragte Boraida. „Ist das wichtig?“, meinte der Schmied. Boraida runzelte die Stirn… „nicht wirklich“ antwortete er. „Aber woher komme ich? Bin ich tot?“ „Nein“ antwortete der Schmied, „Tot bist du nicht. Andrerseits, was ist schon der Tod, wenn du nicht gelebt hast oder weißt, wo dein Leben ist?“ „Ich möchte nur wissen, wer ich bin, und wie ich nach
Hause zurückkomme.“ „Möchtest du wirklich dein altes Leben zurück?“, fragte der Schmied. „Deswegen bin ich hier, oder? Mein altes Leben ist irgendwie gestorben und ich wusste nicht wohin?“ Der Schmied sagte: „Das weiß ich nicht, warum du hier bist. Du bist aber hier, und das ist die Tatsache.“ Boraida schaute sich das metallene Blatt an, und sah, wie sich feine Linien darauf abzeichneten, in den hellsten Farben glitzerten. „Ich halte hier mein altes Leben in der Hand, oder? Ist es denn besser als der neue Weg?“ Der Schmied zuckte mit seinen Schultern: „Es ist ein neuer Weg. Du kannst alles sein, was immer du willst. Träume leben. Oder wieder dorthin zurück, wo du hergekommen bist.“ „Wie bin ich denn hierher gekommen?“, fragte Boraida. „Nun, du wusstest nicht mehr, wo du sonst hin gehen solltest. Alle kommen dann zu mir.“ „Und wer bist Du, Schmied?“ Statt einer Antwort drückte ihm der Schmied eine kleine Dose in die Hand: „Das hier ist für dich, da sind alle Antworten enthalten die du brauchst. Es ist ein Glücksbringer für die Zukunft.“
Boraida öffnete die Dose und sah sich selbst in einem Spiegel.
Lange Zeit betrachtete er sich selber im Spiegel, bevor er eine Entscheidung traf. Er legte das metallene
Blatt ins Feuer und betrachtete, wie die Linien rot aufglühten und dann verschwanden. Dann sprach er: „ich bin ein Wanderer, der sich verlaufen hat…“ Der Schmied antwortete: „Sind wir das nicht alle? Was suchst du denn, Wanderer?“ Boraida suchte nach einer guten Antwort und sagte nach einer Weile langsam: „Ein neues Leben.“ Der Schmied klopfte ihm auf die Schulter: „Lass uns doch erst einmal was essen, ich habe einen riesigen Hunger…“ Schweigend aßen sie zusammen. Dann fragte der Schmied: „Und, wohin geht die Reise nun?“ Boraida legte das Messer auf den Tisch und lächelte:
„In die Berge, ich habe gehört, dort kann ich auf dem höchsten Gipfel die Sterne berühren…“
Er stellte seine Laute weg und ging zurück an die Bar, um sein Pine Met zu trinken. Für heute hatte er genug aufgespielt, Ein anderer Barde hatte schon übernommen und sang ein Lied zu ehren der Wölfe in den hohen Bergen. Sie stand auf und gesellte sich zu ihm und berührte sanft seinen unterarm. „Ich danke für diesen schönen Abend, kleiner Barde.“ Er antwortete: „Ich würde ja zu einem Becher Met einladen, …“ „Nun, der kleine Barde, vielleicht überrascht sie dich ja?“, unterbrach sie ihn.
So bestellte er einen zweiten Becher Pine Met für sie und sie standen eine Weile still nebeneinander. Dann erhob sie leise das Wort: „Worauf sollen wir anstoßen, kleiner Barde?“ Er stellte seinen Ellenbogen auf den Tisch um den Kopf auf der Pfote abzustützen.
Dann nahm er mit der anderen Pfote seinen Becher und sagte mit einem leicht ironischen Lächeln: „Wie wäre es mit ‚auf Dinge, die da kommen werden‘ ?“ Sie nahm den Becher und stieß mit seinem leise an. Sie lächelte unter ihren eisblauen Augen, als sie sagte. „Kleiner Barde, auf Dinge, die da kommen werden.“
