Skip to content
Die Schattenmärchen

Die Schattenmärchen

… bis zur Unendlichkeit, und danach sehen wir weiter!

Menu
  • Sydt Wilkummen, Rysender*
  • Medien
    • Follow me on Spotify
    • Follow me on TikTok
    • Merchandise
  • Sonstiges
    • Fians Lute Tuner
    • LINKS
    • Über uns
Menu

Ein Lied auf die Erkenntnisse am Waldsee

Posted on September 14, 2026 by admin

Hallo Reisende, Ihr seid zu diesen Stunden hier angelangt, nur um zu erfahren, wie es nach dem Waldsee weiterging? Nun ja, wer bin ich, dass ich diesem Wunsch, so viel zu erfahren von dieser Geschichte, mich wahrlich zu entziehen versuche?

Also, der Waldsee und was danach geschah, soll es also sein? Nun gut, das war … speziell? Lehrreich? Auf jeden Fall vieles. Und mal ehrlich, wer kommt schon auf die Idee, auf die Warnung: „Dir ist schon klar, dass es dir nicht gefallen wird, sobald ich an den Führungsring greifen werde“ zu antworten, das wird dann schon seinen Grund haben? Rückwirkend hatte es auch einen, aber ich möchte nicht vorgreifen, das wäre jetzt zu früh.

Seht ihr, damals verstand ich noch nichts von der Stille des Nebelwaldes. Wenn man jung ist und mit der Laute durch den nebligen Wald zieht, glaubt man ja, die Welt bestünde nur aus Reimen, großen Gesten und dem Lärm, den man selbst veranstaltet. Man bildet sich ein, jedes Schweigen sei ein Abgrund, den man eilig mit Worten zuschütten muss.

An diesem Abend, nach dem Waldsee, schaffte ich es, zu schweigen.

Die Sonne sank hinter den Kamm der Berge, und das letzte Licht brannte tiefrot in den Wipfeln der alten Kiefern, ehe die Kälte heraufzog. Wir gingen Seite an Seite durch das Moos. Kein Schritt voraus, kein Schritt hinterher. Es wäre eine Lüge oder Untertreibung, wenn ich behaupten würde, nicht das Leder an meiner Kehle zu spüren. Es war auf seine seltsame Art schwer.

In der Taverne dachte man damals, es sei meine Fessel – die Narren haben ja sogar Spottzettel daran verschwendet, mit Glöckchen und Leinen…

Aber für mich war es kein Joch. Es war das Erste in meinem Leben, das mich etwas – ja, schwer zu erklären – hielt.

Ich meine, wenn mein Kopf wieder anfing, in tausend Richtungen davonzulaufen, erinnerte mich das kühle Leder an meinem Hals daran, wo meine Pfoten den Boden berührten. Es gebot mir, anders hinzusehen. Nicht in die Wolken, sondern auf den nächsten Schritt. Ich weiß, das klingt komisch, wenn man das so erzählt, aber für mich war es so: Ich konnte mein Versprechen an sie fühlen, bei jedem Schritt, bei jedem Atemzug. Und ehrlich, es half mir.

Sie lief neben mir, lautlos, die Ohren im Wind. Eine Wölfin der alten Gesetze. Sie verstand meine Lieder nicht, und sie verstand auch nicht, warum ich mir dieses Band freiwillig umgelegt hatte. Für sie war es schlicht ein Werkzeug. Wenn ihr Barde damit aufhörte, über jede Wurzel zu stolpern, taugte es eben.

Eine Jägerin wie sie verschwendet keinen Gedanken an Dinge, die funktionieren.

Wie auch immer, als wir seinerzeit meine Hütte erreichten, lag der Nebel schon schwer um die Schwelle. Ich stieß die schwere Eichentür auf und trat zur Seite. Kein Bückling, keine bardenhafte Verbeugung, keine Bitte. Ich gab ihr einfach den Raum frei. Und sie ging hindurch.

Ich war ja wirklich verärgert, als sie damals Germonde in seine Schranken wies und mich, den Herrn des Hauses und dieses Herdfeuers, zum Teekochen schickte. Aber ihr wart damals auch nicht dabei gewesen. Doch dieses Mal war es anders. Mein Leben lag schon in ihren Pfoten, aber die Tragweite dieses Halsbands und diese Erkenntnis hatte ich selbst am Waldsee noch nicht ganz begriffen – und hier zeigte sich das:

Ich wollte sie einladen, in meinem Haus das Gastrecht zu beanspruchen. Und sie? Sie trat nicht ein wie ein Gast, der um Einlass bittet, sondern ist an mir vorbeigeschritten, als würde sie in ihr Revier zurückkehren. Und ich spürte eine eisige Luft, die ihren Schritten folgte.

Im Halbdunkel der Stube war es klamm. Und dort auf der rauen Tischplatte standen sie noch: zwei Becher, seit dem frühen Morgen unberührt. Der Zettel mit der krakeligen Warnung und dem schlichten „V.“ lag nicht mehr da, aber die Tassen waren voll von kaltem, schwarzem Tee.

Der stumme Rest jenes Morgens, an dem ich aufgewacht war, sie vermisst und vor lauter Kopflosigkeit die halbe Welt in Brand gesetzt hatte.

Sie blieb davor stehen. Schnupperte nicht, rührte nichts an. Sie sah nur hinab auf den abgestandenen Tee, mit diesem Blick, der weder Mitleid noch Vorwurf kennt, sondern nur die nackte Tatsache.

„Das Wasser von heute früh taugt nichts mehr“, sagte sie, trocken wie brechendes Reisig. „Es hat die Bitterkeit des ganzen Tages geschluckt.“

Ich schloss die Tür hinter uns, schob den Riegel vor die Nacht und griff nach dem eisernen Kessel. Zum ersten Mal seit Tagen hatte ich keinen Reim im Kopf, keine Ausflucht und keine Angst vor dem, was kommen würde.

„Dann schütte ich es weg“, sagte ich zu ihr.

Und habe den Herd entfacht, um ihr frischen Tee zu bereiten.

Das war der Moment, wisst ihr? Genau da begriff ich … gar nichts. Obwohl eigentlich alles so offensichtlich war, wie sie an ihrem Tisch in meinem Haus saß.

Aber schön, dass ihr hier wart, um diese Geschichte zu erfahren. 

 

 

1 thought on “Ein Lied auf die Erkenntnisse am Waldsee”

  1. Pingback: The Wisdom of the Forest Lake | Fian The Bard

Comments are closed.

Beiträge

September 2026
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  
« Aug.    

Neuzugänge

  • Ein Lied auf die Erkenntnisse am Waldsee
  • Der Waldsee
  • Wölfische Pädagogik
  • Einmal Taverne und zurück
  • Fians Welt – ein paar Gedanken

Nach Kategorie

  • Alle Beiträge
  • Beliebte Artikel
  • Fians Lautenmusik
  • Fians Welt – Das Tavernenkochbuch
  • Fians Welt – Lore of the Mistwood
  • Fotos und Bilder
  • Gaming
  • Geschichten und mehr
  • Märchen
  • Outdoor & Co.
  • Senfkultur
  • Simulator
  • Snowboarding
©2026 Die Schattenmärchen | Built using WordPress and Responsive Blogily theme by Superb