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Die Schattenmärchen

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Der Waldsee

Posted on September 11, 2026September 11, 2026 by admin

Er saß am Waldsee … und er zupfte verlegen leise an seiner Laute, während sie, ihre Pfoten hinter ihrem Kopf verschränkt, gemütlich auf dem Rücken lag und einfach die Augen geschlossen hatte und sichtbar die frühherbstlichen Sonnenstrahlen genoss.

Sein Blick wanderte über sie, wie sie sich so ausstreckte.

Nach einiger Zeit sagte sie leise: „Ich kann deine Gedanken bis hierher hören … was ist los?“

Er legte seine Laute beiseite und fragte vorsichtig: „Ist das … ich meine, denke ich so laut?“ Sie öffnete ihre Augen und drehte den Kopf in seine Richtung: „Weißt du…vielleicht legst du dich einmal einen Moment zu mir hier in das kühle Moos? Und dann überlegst du dir drei Fragen, die du gerne stellen magst. Keine mehr und keine weniger.“

Er holte Luft und wollte etwas sagen, doch sie kam ihm zuvor: „Aber bevor du jetzt diese drei Fragen gedankenlos stellst, weil sie jetzt wichtig sind, wie wäre es, wenn du jetzt erst einmal einen Moment die Augen schließt und den Wind in deinem Fell, das kühle Moos und die Sonne im Gesicht genießt? Drei Fragen sind nicht viel … oder mehr als man denkt, wenn sie klug gestellt wurden.“ Dann schloss sie wieder die Augen und atmete die Waldluft tief ein. Und so lagen sie nebeneinander. Nach einer Weile sagte Fian leise: „Ich verstehe nicht, was da in der Taverne vorgefallen ist.“ Sie öffnete ein Auge und drehte ihm den Kopf zu. „Das war keine Frage.“, meinte sie. „Ich weiß…,“ antwortete er, „aber eine Frage scheint mir hier nicht notwendig zu sein. Eher …“ Sie setzte sich auf und sah ihn mit ihren kühlen Augen erwartungsvoll an. „… eher?“

Fian schwieg einen Moment. „Ich glaube eher, dass ich etwas übersehen habe.“

Die Wölfin legte den Kopf leicht schief: „Ist dem so …?“

„Alle haben etwas gesehen.“

Ihre Ohren zuckten neugierig:„Ja.“

Fian versuchte, Worte zu finden, aber dann sagte er nur: „Du auch.“

Sie nickte. „Ja.“

Und dann blickte hinaus auf den See. „Und ich offenbar nicht.“

Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Das wäre nicht das erste Mal.“

Fian warf ihr einen missbilligenden Blick zu. „Das sollte vermutlich aufmunternd sein?“

„Nein.“ Sie streckte sich genüsslich. „Das war nur eine Feststellung. Und eine erste Frage.“

Er dachte kurz darüber nach, und sagte leicht gekränkt: „Du bist wirklich schlecht darin, andere aufzumuntern.“ Sie legte sich wieder hin und schloss ihre Augen: „Und doch bist du noch hier.“, sagte sie und streckte sich abermals, „Warum eigentlich?“ Darüber dachte Fian einen Moment nach. „Bin ich, und nein, ich weiß nicht, warum.“

Die Wölfin schmunzelte: „Tja… . Und was ist deine zweite Frage?“

Er zog die Luft tief ein und schloss seine Augen. „Das war eben unfair, weil es keine echte Frage war.“ „Ich weiß, darum gab es auch keine echte Antwort. Aber Frage ist Frage. Und wenn du schon hier bist und Fragen stellen willst, solltest du ein wenig genauer hinschauen, was du gerade tust. Also, wenn du mich das fragen würdest, wäre das jetzt meine Antwort.“ Er holte Luft, um zu fragen, was das jetzt heißen sollte, und schluckte die Frage wieder runter. „Siehst du? So einfach ist das, mal nicht zu fragen.“, kommentierte sie das durch ihre geschlossenen Augen hindurch, „… und wie lautet nun deine zweite Frage?“

Er streckte sich langsam: „Darüber muss ich nachdenken.“

Sie setzte sich jetzt auf und sah ihn neugierig an: „Worüber? Du hast in deinem Dickschädel bestimmt tausend Fragen. Such dir einfach eine aus und stelle sie.“ Er sah sie an: „Das stimmt, aber ich habe lediglich noch zwei Fragen übrig im Moment. Die müssen also wirklich gut sein. Und ich weiß nicht, ob ich sie stellen darf.“ „Weißt du …“, sie neigte leicht den Kopf, „wenn du bereits darüber nachdenkst, ob du sie stellen darfst, dann ist es vermutlich die richtige Frage. Die interessanten Fragen sind selten bequem.“ Er überlegte kurz und meinte dann: „Was soll das Ganze hier eigentlich werden, wenn es fertig ist?“ Sie dachte über die Frage nach, und antwortete dann schlicht: „Das ist eine gute Frage.“

Er schaute sie neugierig an und wollte zuerst eine Frage stellen, doch sagte dann leise: „Und ich gehe nicht davon aus, dass ich jetzt eine Antwort bekomme.“ Ihre Ohren zuckten kurz bedenklich: „Nein. Aber die Frage wird beantwortet werden. Wenn es an der Zeit ist. Und jetzt hast du noch eine Frage über.“ „Die hätte ich schon, aber die ist sehr kurz und unbequem, und kann
mit ‚ja oder nein‘ beantwortet werden oder in sehr vielen Zeilen und Versen. Und ganz viel erklären würde, ohne etwas zu sagen oder zu tun.“ Jetzt sah sie ihn neugierig an: „Oh… wirklich? Nun, der denkende Barde hat eine kurze Frage, die meine volle Aufmerksamkeit einfordert?“ Er setzte sich auf und sah sie mit großen Augen an: „Magst du mich eigentlich?“

Die Wölfin sah ihn lange an. „Das ist deine letzte Frage?“

Fian nickte. „Ja. Es ist mir wichtig. Ich meine, wirklich wichtig.“

Sie wandte den Blick kurz zum See. „Du verschwendest wirklich außergewöhnlich viele Gelegenheiten auf außergewöhnlich merkwürdige Weise.“ Fian zog die Ohren an. „Das war keine Antwort.“ Sie schwieg. „Nein, war es nicht.“ Der Wind strich über den See. Schließlich seufzte sie leise. „Wie kommt das, dass du auf einmal so lernwillig bist?“

Fian blinzelte überrascht. „Ich verstehe nicht, was du meinst, also wenn es … ich wollte nicht … AU!“

Die Wölfin boxte ihm schmerzhaft auf die Schulter und verdrehte genervt die Augen: „Lass das! … Frage ist Frage. Und Worte können nie zurückgenommen werden.“ Dann schaute sie ihn fragend an: „Willst du denn wirklich eine Antwort darauf?“ Er schaute bedächtig zurück: „Darüber muss ich einen Moment nachdenken.“ Sie legte sich wieder ins Moos und schloss die Augen. „Tue er das, und sage er Bescheid, wenn er sich entschieden hat.“

Fian legte sich auch wieder ins Gras und antwortete nach einiger Zeit: „Vielleicht ist die Frage wirklich gut, aber falsch gestellt.“ Die Wölfin öffnete ein Auge: „Oh? Haben wir etwas ‚übersehen‘?“ Ein leichtes Schmunzeln zog über ihr Gesicht.“ Was hättest du denn lieber gefragt?“ Er schaute durch das Blätterdach in die Wolken: „Naja, eigentlich müsste die Frage lauten, warum ich dich eigentlich trotz allem einfach mag.“ Jetzt setzte sie sich auf und sah ihn aufmerksam an. Ganz aufmerksam. „Du überraschst mich. Aber ich könnte dir nur, wenn überhaupt, die Frage beantworten, die du gestellt hast. Und ob ich eine Antwort gebe, wurde nicht entschieden.“

Er atmete die Waldluft tief ein. „Machen wir doch hier eine stille Übereinkunft:

Wenn es an der Zeit ist, wirst du mir die gestellte Frage beantworten, und ich werde beantworten, warum es so ist, wie es ist. Und bis dahin, trage ich dieses Halsband.“ Sie legte ihre Ohren bedächtig nach hinten und meinte nach einer Weile: „Du hast eine Entscheidung getroffen … “ – „Ja.“, antwortete er leise und schloss wieder die Augen, „Wie du sagtest: Vielleicht brauche ich wirklich etwas Führung.“ Sie sah ihn bedächtig an. „Dir ist aber schon klar, dass dir das nicht gefallen wird, sobald ich nach dem Ring am Halsband greife.“

Er schwieg einen Moment, ließ es sich durch den Kopf gehen, und antwortete langsam: „Nein. Gefallen wird es mir vermutlich nicht. Aber ich vertraue darauf, dass es dann einen Grund haben wird, auch wenn ich ihn nicht verstehe.“

„Lass uns für heute Schluss machen und den Sonnenuntergang genießen…“, schlug sie vor, „… für heute wurde wahrlich genug geredet und gelernt.“

Und legte sich still in das kühle Moos, und betrachtete die Wolken am Himmel.

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