Skip to content
Die Schattenmärchen

Die Schattenmärchen

… bis zur Unendlichkeit, und danach sehen wir weiter!

Menu
  • Sydt Wilkummen, Rysender*
  • Medien
    • Follow me on Spotify
    • Follow me on TikTok
    • Merchandise
  • Sonstiges
    • Fians Lute Tuner
    • LINKS
    • Über uns
Menu

Einmal Taverne und zurück

Posted on September 9, 2026 by admin

Der letzte Bissen seines Frühstücks war verzehrt, und Fian ließ den Blick nachdenklich durch den Raum schweifen. Was könnte dieser Tag wohl für ihn bereithalten? Während er noch so darüber nachdachte, fiel sein Blick auf die Laute. Ja, als Barde fand er die Antworten oft in den Saiten, und so griff er irgendwann nach ihr, um die nächste Stunde ihm vertraute Melodien erklingen zu lassen.

Als die Sonne ihren Zenit erreichte, machte er sich schließlich auf den Weg zur Taverne. Der Pfad erschien ihm heute weitaus weniger beschwerlich als sonst, und seine Gedanken begannen, im ruhigen Rhythmus seiner Schritte umherzuwandern. Und ja, unweigerlich dachte er auch über die Nachricht mit dem „V.“ nach. Was genau mochte sie wohl gerade treiben? Er schüttelte den Kopf und wischte den Gedanken fort.

Die Gegenwart war so einladend, dass er nicht die Lust hatte, sich den Grübeleien über fremde Angelegenheiten hinzugeben. Er freute sich eher über den milden Mittagswind, wie er sanft durch sein Fell strich, und beobachtete das leise über ihn raschelnde Blätterdach. Das Sonnenlicht spielte ein goldenes Fangen mit den Blättern in den hohen Wipfeln,  und ein tiefer, unerschütterlicher Frieden durchzog den Wald. 

In ihm wuchs die ehrliche Vorfreude darauf, in der Taverne aufzuspielen.

Nichts Kompliziertes, keine schwermütigen Balladen mit dichten Texten, sondern schlichte, heitere Weisen. Einfach aus der reinen Freude am Tun. Er ertappte sich dabei, wie er eine leichte Melodie vor sich hin summte, und ein Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht. Ja, dieser Tag versprach, wundervoll zu werden. Ein Tag, um schlichtweg umherzuziehen und das zu tun, wonach das Herz eines Barden eben verlangt. Schließlich erreichte er das Wirtshaus. Er blieb vor der Tür stehen und ließ den Blick umherschweifen. Es war schon eine merkwürdige Erkenntnis, wie sehr der bloße innere Blickwinkel darüber entscheidet, ob man einen Ort mit offener Vorfreude betritt oder sich nichts sehnlicher wünscht, als augenblicklich das Weite zu suchen.  Heute jedoch war er voller Tatendrang: Mit einem beherzten Griff drückte er die schwere Holztür auf und trat über die Schwelle.

Und erstarrte noch auf der Schwelle mitten in der Bewegung.

Schlagartig richteten sich die Blicke der Anwesenden auf ihn. Es war eine Musterung, wie er sie in dieser Form noch nie erlebt hatte. Eine beklemmende Mischung aus lauernder Neugier und herablassendem Mitleid, gepaart mit einer beinahe greifbaren Respektlosigkeit, die ihm aus dem Schankraum entgegenschlug. Die fröhliche Melodie auf seinen Lippen erstarb augenblicklich. Schweigend und mit angespanntem Kiefer bahnte er sich seinen Weg durch die Reihen der Gäste.

Das Gewicht dieser Blicke lag schwer auf seinen Schultern, und der Plan, die Laute hervorzuholen, war verflogen. Er beschloss, lediglich ein Pine Met zu bestellen, es in Ruhe zu trinken und die Saiten unberührt zu lassen. „Das wird schon wieder … Derartiges hast du des Öfteren zuvor erlebt. …“, murmelte er leise vor sich hin, um festzustellen, dass dieses Mal ich nichts beruhigte. Nein, genau das Gegenteil geschah: 

Man mied ihn.

Sein Spiel war unerwünscht und letztendlich saß er frustriert in einer Ecke der Taverne, misstrauisch beäugt, und er könnte schwören, dass sie heimlich über ihn redeten. Am Ende saß er in einer Ecke und spielte leise für sich selbst. Irgendwann kam ein Luchs auf ihn zu und fragte. „Stimmt es, was man sich so erzählt?“ Fian sah den Luchs neugierig an: „Stimmt was, das man sich so erzählt?“ fragte er. „Naja, eben das mit dieser Wölfin, dass du ihr neues Haustier bist. Dass sie einfach Mitleid hatte … “  Bevor Fian etwas antworten konnte, drehte sich dieser Luchs um und ging zurück zu einer Gruppe von Angetrunkenen. „Ich glaube, es war so.“, sagte er, noch grinsend, über die Schulter nach hinten schauend.

Fians Pfoten krampften sich um den Hals seiner Laute.

Das leise Summen im Raum war nun einem offenen, spöttischen Raunen gewichen. Die Blicke waren nicht länger verstohlen, sondern richteten sich unverhohlen und herablassend auf ihn. Er spürte, wie ihm das Blut in den Adern pochte und sich eine heiße Wut in seiner Brust ausbreitete. Er war ein Barde, ein freier Geist, und ganz sicher nicht das Schoßtier von irgendwem.

Fian zwang sich zur Ruhe, nahm einen tiefen Schluck von seinem Met und starrte eisern auf die hölzerne Tischplatte, in der Hoffnung, dass das Interesse an ihm bald wieder abebben würde. Doch die Meute hatte Blut geleckt. Aus der Ecke der Angetrunkenen löste sich eine weitere, massige Gestalt – ein stämmiger Wildschweineber mit einem fleckigen Lederwams und einem schiefen, grausamen Lächeln. Mit schweren, polternden Schritten kam er auf Fians Ecke zu, das grölende Lachen seiner Kumpane wie Rüstzeug im Rücken.

Der Eber blieb direkt vor dem kleinen Tisch stehen. Er sagte kein Wort, starrte Fian nur mit diesem überheblichen Grinsen an. Dann griff er langsam in seine Tasche, holte etwas aus dickem, genietetem Leder hervor und ließ es mit einem harten, klackenden Geräusch auf die Tischplatte direkt vor Fians Metkrug fallen.

Es war ein klobiges Halsband, an dessen schwerer Eisenschnalle ein kurzes, abgerissenes Stück Kette baumelte. „Damit du dich auf dem Rückweg zu deinem Frauchen nicht verläufst“, grollte der Eber amüsiert, stützte seine massigen Pranken auf den Tisch und sah Fian provozierend in die Augen.

Dieser Blick, irgendetwas brachte das Fass zum Überlaufen, ja, etwas in Fian riss. Er hatte noch einen Moment darüber nachdenken wollen, aber dann machten alle Überlegungen einer wilden, unbändigen Wut Platz, die heiß durch seine Adern schoss. Was bildete sich dieser Eber eigentlich ein? Und schon in der nächsten Sekunde hatte er dieses Lederband zwischen seinen Pfoten und die schwere Eisenschnalle traf knirschend auf die Hauer des Ebers. D

Und der Eber blieb stehen, seine Pranken zu Fäusten geballt. E rief über die Schulter: „Tavernenregel hin oder her, ich werde diesem Haustier jetzt Manieren beibringen!“ Er entriss Fian das Halsband und holte ebenfalls mit der schweren Schnalle aus, doch bevor er seinen Schlag ausführen konnte, gab es einen ohrenbetäubenden Knall, der das Gebälk der Decke erbeben ließ.

Die schwere Eingangstür der Taverne war mit voller Wucht ins Schloss gefallen.

Der Lärm im Schankraum erstickte augenblicklich in den Kehlen der Gäste. Niemand hatte bemerkt, wie die Tür geöffnet worden war, doch nun stand sie da, völlig reglos im schwachen Licht des Eingangs. Ihr Blick, klar und durchdringend wie gesplittertes Eis, glitt langsam über die erstarrten Gäste. Es war der kompromisslose Blick einer eiskalten Jägerin, die soeben ihr Revier betreten hatte – ruhig, souverän und tödlich. Die Atmosphäre im Raum veränderte sich mit einem Wimpernschlag; die drückende, laute Feindseligkeit wich einer eisigen Stille, in der man nur noch das leise Knistern des Kaminfeuers hörte.

Sie ging hoch erhobenen Hauptes durch den Raum und stand vor dem Eber. Sie musterte ihn. Schweigend. Ihre Augen trafen sich und nach einer Weile zeigte der Eber auf Fian und meinte spöttisch: „Du solltest auf dein Haustier aufpassen, es macht sich gerade sehr unbeliebt hier“.

Statt zu antworten musterte sie den Eber einfach und sagte nichts.  Sie stand einfach vor ihm und schaute. Dann fiel ihr Blick auf das Halsband und sie streckte die Pfote aus. „Darf ich sehen?“, fragte sie mit einem eisigen, leisen Tonfall. „Bitte,…“ – Der Eber gab ihr das Halsband mit höhnischem Grinsen und ging zu seinen Kumpanen herüber.

Unter den neugierigen Augen der Taverne wog sie das lederne Halsband in ihren Pfoten und überlegte. Schließlich schaute sie Fian an und fragte mit ruhiger Stimme: „Ja, wenn mein Schnuffel nicht über den Dingen steht, wird es wohl sein Halsband sein, nur die Kette finde ich übertrieben, die kommt weg. Und ob es ihm den Hals verzieren wird, das wäre noch zu klären?“ Mit diesen Worten steckte sie das Halsband ein und warf die eiserne Kette achtlos auf den Boden, bevor sie sich zu Fian an den Tisch setzte.

Bevor er etwas sagen konnte, legte sie ihre Klaue auf sein Bein, und hieß ihn, zu schweigen. Nach einigen Minuten stellte sie die Ohren auf und meinte laut: „Aber ein Barde, der über den Dingen steht, ist mir in dieser Stunde lieber als jenes zu klären.“

Mit diesen Worten winkte sie einen anderen Barden an den Tisch und bat, einfach leise zu spielen.

1 thought on “Einmal Taverne und zurück”

  1. Pingback: On the Road Again | Fian The Bard

Comments are closed.

Beiträge

September 2026
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  
« Aug.    

Neuzugänge

  • Einmal Taverne und zurück
  • Fians Welt – ein paar Gedanken
  • Morgentau
  • Ein ganz normaler Tag
  • Eine Frage des Standpunkts

Nach Kategorie

  • Alle Beiträge
  • Beliebte Artikel
  • Fians Lautenmusik
  • Fians Welt – Das Tavernenkochbuch
  • Fians Welt – Lore of the Mistwood
  • Fotos und Bilder
  • Gaming
  • Geschichten und mehr
  • Märchen
  • Outdoor & Co.
  • Senfkultur
  • Simulator
  • Snowboarding
©2026 Die Schattenmärchen | Built using WordPress and Responsive Blogily theme by Superb