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Die Schattenmärchen

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Der Frühstückstee

Posted on August 5, 2026August 5, 2026 by admin

Es war ein schöner Morgen, als er aus der Tür der Taverne trat. Fian schloss die Augen und zog die Luft tief durch die Nase ein. Die Nebel des Moores durchdrangen ihn, frisches Moos, Tau auf den Blättern und … Er guckte auf und sah sich um. ‚Nicht schon wieder, …die braucht echt ein Hobby!‘,  dachte er sich und sah sich irgendwie genervt um. ‚Seit nunmehr vier Tagen lungert diese Wölfin in meiner Nähe rum und beobachtet mich. Sie macht sich noch nicht einmal die Mühe, nicht entdeckt zu werden.‘  Er weiß, dass sie ihn holen wird, ihm dass jedoch Tag für Tag wieder aufs Brot zu schmieren, ist doch nun wirklich überflüssig, und wenn, vielleicht einer dieser höheren Wolfsriten sein, an die sie gebunden ist.

Er sah sich um und tatsächlich saß sie da, auf der Veranda der Taverne, und genoss eine Tasse Tee, während sie die ersten Sonnenstrahlen über dem Moor beobachtete.  Und neben ihr stand eine zweite dampfende Tasse bereit, sie schien also auf jemanden zu warten. Als sie ihn hörte, drehte sie sich um und sah ihn mit ihren eisblauen Augen auffordernd an.

„Da ist er ja endlich, der kleine Barde. ich hatte schon bedenken, dass der Tee kalt wird.“

Er blieb an der Tür der Taverne stehen und sah in ihre Richtung, völlig überfordert von der Situation. Nach einer gefühlten Ewigkeit schien sie belustigt zu gucken und ergriff das Wort:

„Kleiner Barde, der Tee wird nicht wärmer, wenn er hier in der kühlen Morgensonne in einer Tasse ruht. Und der Tag wird nicht jünger, weil ein kleiner Barde ziellos an einer Tür steht, und nicht weiß was er will. Wie wäre es, wenn wir beide erlösen, indem der Barde annimmt, dass dieser Tee hier nichts mit ihm zu tun hat? Und wenn er unbedingt etwas für den Tee entrichten möchte, nun, es sehnt mich heute Morgen bei meinem Tee nach etwas Gesellschaft. Nicht mehr und nicht weniger.“


Hello friends,

the English version can be easily found by following this path


Er seufzte leise in sich hinein.  Diese Geschichte mit der Ehre eines Barden, der zu Tisch geladen wird, kann auch manchmal ein anstrengendes Joch sein.

Aber man kann sich halt seine Gesellschaft nicht immer aussuchen.

„Fian…“ sagte er, „mein Name ist Fian.“ Sie zuckte kurz mit ihren Ohren und antwortete: „Nun gut, Fian, Tee für Gesellschaft an diesem Morgen?“

Auf dann, dachte er , und gesellte sich vorsichtig zu ihr. „Nun, darf ich vielleicht auch erfahren, wer mich eingeladen hat an diesem Morgen? Wem verdanke ich diesen Tee“ Sie schloss die Augen, zog die kühle Luft tief ein und erwiderte knapp: „Mir.“

„Mirabella… Mira… Michaela…“ – „Einfach ‚mir'“, wiederholte sie, „und wenn es an der Zeit ist, wird Fian erfahren wonach er fragt.“

Fian überspielte seine Unsicherheit und antworte wortgewandt: „Und wenn es das letzte ist, was ich in meinem Leben erfahre… ich werde…“ Sie musterte ihn mit einem missbilligenden Blick und er schwieg lieber. Nach einer Weile sagte sie leise:

„Fian, gerade ein Barde, ein Meister des Worts, sollte wissen, dass es Dinge gibt, die man nicht aussprechen sollte. Ausgesprochene Worte haben Konsequenzen, und erfordern zu Handeln und Verantwortung zu übernehmen für das, was gesagt wurde. Gerade an Orten wie diesen sollte man nicht alles sagen, was man denkt.“

Er sah sie von der Seite an. „Also kein Barde als Begleitung durch den Morgen?“ Sie nickte leicht und legte ihm vorsichtig ihre Pfote auf den Arm. „Bitte nicht, einfach … Fian, so wie er ist. Jetzt da ich den Namen kenne, nicht der kleine Barde.“

Er betrachtete ihre Pfote. Und überlegte. Dann sagte er leise: „Einfach Fian, … das gefällt mir besser als der Barde sein zu müssen. Dann trinkt sich eine Tasse mit Tee angenehmer.“

Sie stützte ihren Kopf auf die andere Pfote und drehte sich ihm dann nach einer Weile langsam zu. „Ich mag den Sonnenaufgang. So schön die Nacht auch ist, aber dabei zu sein, wenn der Tagstern sich erhebt, ist immer wieder etwas besonderes. Was tut man an so einem Tag?“ Er schaute auf das Moor, und antwortete nach einer Weile: „Nachdenken… über das Leben.“ Sie drehte ihren Kopf neugierig zum hin und stellte aufmerksam ihre Ohren auf: „Erfahre ich ein paar dieser Gedanken?“ Fian schmunzelte und sah dann bedächtig zu der Wunde an seinem Bein: „Die Jägerin fragt ihre Beute nach Gedanken? Will sie das überhaupt wissen?“

Sie nickte neugierig und sah ihn aufmerksam an.

„Nun denn, … also ich denke die ganze Zeit an unsere erste Begegnung. Ich meine… eine unglaubliche Wölfin stand dort, die Sterne funkelten in ihrem Fell, der Mond ließ sie weiß und erhaben leuchten. Sie hat mich ausgewählt als ihren roten Tribut, und ich… habe gewusst, dass es ein Urteil war, dem ich nicht entfliehen kann. Ich schloss die Augen und spielte mein letztes Lied. Ich weiß noch nicht einmal, ob es das beste Lied war, aber es fühlte sich richtig an,  und war bereit aufrichtig meinen Teil zu erfüllen. Und dann… kommt sie an mich ran, nimmt meinen Geruch auf und geht? Ich meine wirklich, es war ein absolut erhabener und unfassbarer Moment, das Leben pochte wild in meinen Adern, und sie .. geht? Das ergibt doch gar keinen Sinn.“

Er sah sie fragend an. „… oder?“

Sie nahm ihre Pfote von seinem Arm und kratzte sich scheinbar verlegen den Nacken. „Naja, der Ort war von den Ewigen gesegnet worden, … es war weder der richtige Ort noch die richtige Zeit“ fing sie an. – „Nur damit ich es verstehe, ‚der Ort‘ hat nicht gefallen, und es war die falsche Zeit?“ Sie sah ihn mit eisigen Augen an. „Es ist ja nicht aufgehoben. Es sind lediglich … Entscheidungen getroffen worden, und wir alle müssen damit jetzt leben.“

Es herrschte eine eigenartige Stille zwischen ihnen.

Dann fing Fian an: „Ah, verstehe. Höhere Mächte. Ein unumstößlicher Ritus. Also hat die unnahbare Herrscherin im Auftrag der Ewigkeit hat im Grunde von der Mondin einen Dienstplan bekommen. Und ich habe mit meiner Laute so lange rumgebummelt, bis sie Dienstschluss hatte. Und weil die Ewigen selber zugeschaut haben, passt sie jtzt auf, dass ihre Beute nicht verschwindet, um beim nächsten Vollmond nicht doof dazustehen, wenn ich mich zur 12. Stunde dann einfinde um ihr gegenüber zu stehen?“

Sie überlegte kurz, und zuckte dann mit einem vielsagenden Blick in Richtung Moore die Schultern. Dann antwortete sie verhalten: „Also bei dem selben Feuer wie das letzte Mal, zur 12. Stunde in der Nacht, unter dem Vollmond? Das wirkt ein wenig veraltet und archaisch, wenn man mich fragen würde, aber ich finde die Idee gar nicht so schlecht, wenn ich da genauer drüber nachdenke…“

Er lehnte sich zurück und trank einen Schluck Tee. „Dann haben wir das Wann und Wo ja geklärt, fehlt nur noch das Was, also ich würde ja..“ Sie drückte ihm die Klaue in die Kehle, dass ihm der Tee herunterfiel und er nicht mehr sprechen konnte.

Sie flüsterte ihm mit eisiger Kälte ins Ohr „Das reicht jetzt, kleiner Barde. Diese Entscheidungen wurden bereits getroffen, und beide, der kleine Barde und Fian, verlieren da nie wieder ein Wort drüber.“

Ihre eisblauen Augen durchbohrten ihn eisig. Er nickte stumm. Dann hob sie seinen Becher auf und teile ihren Tee mit ihm. „Lass uns lieber den Morgen mit einer Tasse Tee genießen.“

So saßen sie schweigend zusammen und tranken Tee.

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