
Sie ließ ihn zurück mit seiner blutenden Wunde am Bein, und drehte sich nicht mehr um.
Wie kann man nur so stur sein? Er hätte lediglich 3 Akkorde gelangweilt vor sich hin klimpern müssen, um anzuerkennen, dass ich er mir gehört. Irgendwas, aber nein, er kommt mit dieser stoischen Ruhe einer Beute einher, und erkennt seine Rolle an, akzeptiert, dass eine Jägerin ihn als roten Tribut, und … ARGH!, dachte sie sich und schlich eigentlich ein wenig geknickt durch den Wald. Ich meine, wie deutlich muss ich eigentlich noch sein ? Naja, zumindest ist der eine Teil des Rituals abgeschlossen und ich habe offen mein Eigentum erklärt.
Zugegeben, das löste jetzt ihr Problem noch nicht, … aber sie hat offen Anspruch erhoben. Damit hatte sie jetzt zumindest Zeit, sich was zu überlegen, also zumindest so viel Zeit, wie er nicht auf die Idee kommt, irgend etwas dummes zu machen und sich seiner nicht existierenden Henkerin zu stellen, um den roten Tribut zu fordern. Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber es könnte passieren. Dabei wäre alles so schön einfach gewesen, sie hätte vergangene Nacht nur aus der Taverne gehen und sich denken müssen, schade um den kleinen Barden, aber Gesetz ist nun mal Gesetz. Dann hätte sie ihn seiner Bestimmung zugeführt und alles wäre absolut in Ordnung. Aber so? Als sie aus der Hörweite war, trat sie einen kleinen Stein genervt durch den Wald. „Wie konntest Du so blöd sein?“ sprach sie zu sich selbst und ging in Gedanken noch einmal alles durch.
Was genau ist da eigentlich passiert?
Wie die Gesetze der Natur es von ihr verlangt hatten, ist Sie zur Zeit des roten Tributs losgezogen. Die rituelle Andacht vor der Mondin, um die Gnade für Ihre Beute angerufen, die Verbeugung vor dem Gesetz von Klaue und Fang, und dann, als die Mondin sich über die Wipfel der Bäume erhob ist sie losgezogen, um ihre Aufgabe zu erfüllen – Soweit war ihre Welt noch völlig in Ordnung. Und dann in tiefster Stunde legte sie Ihre Nase in den Wind und nahm Witterung auf. Und hatte die Fährte für den Tribut der Nacht. Sie senkte in Demut vor ihrer Aufgabe ihr Haupt und die Jagd begann. …
Und dann… ja, dann saß er da, vor einem Feuer. Unsere Augen kreuzte sich und ich sah, er wusste es! Er erkannte mich und diesen erhabenen Moment. Dieser kleine Barde halb Fuchs halb Wolf – nichts halbes und nichts ganzes – saß dort mit Ruhe einer Beute, die sich absolut ehrenhaft verhielt, und zeigte, wie sehr er die Riten und Bräuche des Waldes respektiert. Er war damit sicherlich ’so‘ nicht mit einverstanden, aber er schloss vor seinem kleinen Feuer die Augen, und erwartete seinen letzten Tanz. Und das mit einer Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, da bekommt man als Jägerin echt Gänsehaut. Kein Verhandeln, kein Feilschen, einfach Akzeptanz.
Und dann fing er an ein Lied auf seiner alten Laute zu spielen – seine Töne schnitten durch die Dunkelheit und… – Sie hielt sich Ihre Pfote an ihr Kinn und … dann war es ihr als ob die Mondin, die Sterne und die Ewigen auf sie herabschauten und warteten.
Sie setzte sich an einen Baumstamm und stützte ihren Kopf auf die Pfoten und sah in die Baumwipfel.
Was für ein Druck … die Ewigen schauen ihr zu bei Ihrem Schiedsspruch. Ohne etwas zu sagen, ohne zu kommentieren, ohne ein Zeichen, gar nichts.
Sie überlegte noch eine Weile und hatte sich entschieden. Sie hatte das Recht, diesen da als Tribut zu fordern und er spielte eigentlich sein letztes Lied und es gab nur die Gewissheit ihrer beider Bestimmung. Also hat sie ihn gewähren lassen, sein Spiel, und beschloss dann zu ihm zu gehen. Und dann geschah etwas – etwas unbegreifliches:
Sie stand also am Rand des Feuerscheins und fixierte ihre Beute. Sie schaute mit Akzeptanz und Würde vor dem Gesetz von Klaue und Fang zurück, und die Melodie schwang zwischen uns, als das Feuer auf einmal weißlich aufflackerte und das Licht der Mondin über die Flammen legte. Der ganze Kreis war von einem silbrigen Schein, getragen von den Klängen dieser Laute erfüllt. Ein majestätischer Anblick, den der kleine Barde für sein letztes Geleit bekam. Sie trat mit einem Fuß in den Kreis. Und Friede hüllte sie ein. Nur Sie und die Melodie und ein leuchtendes Feuer. Darüber das weiche Licht der Mondin. und ein Frieden den sie niemals für möglich gehalten hatte, dass er ihr, der Jägerin im Schatten der Nacht zuteil werden dürfte. Und ganz unscheinbar im Schatten leichtenden Kreises ein kleiner Barde, der mit gesenktem Haupt spielte und darauf wartete, wieder zu Erde zu werden. Und in der Melodie, die zwischen uns hing war eine Ehrlichkeit, die tief ins Herz Schnitt.
Sie nahm den Fuß aus dem Kreis und der Schleier lichtete sich – Nein, es fühlte sich falsch an, hier an diesem Ort Beute zu machen, nicht in dieser Stunde. Er gehört ihr, das Gesetz verlangt es aber sie entscheidet wann und wo. Also schlich Sie an diesen Halbling heran, stellte ihre Ohren auf und nahm seinen Geruch tief in sich auf um ihn niemals zu vergessen. Und er verweigerte es mir nicht. Und dann bin ich gegangen, ohne mich umzudrehen?
Sie schaute hilflos zur Sonne hoch: „Wieso bin ich eigentlich gegangen? Dass die Jägerin wärend der Erfüllung ihrer Pflicht vor Klaue und Fang einfach geht, das ergibt och überhaupt keinen Sinn! Selbst wenn man sich den Geruch seiner Beute einprägt, wenn sie weg ist, ist sie weg! Man, wie konnte ich so blöd sein? Wargh! Und was dir dann eingefallen, du Nuss? Als dir das auf fällt, drehst du nicht um, sondern gehst in die Taverne, um etwas Pine Met zu trinken … Noch würdeloser geht es nicht mehr als Ausklang für die Nacht! Und dann taucht zu allem Überfluss och dieser kleine Barde noch während du da in der Ecke sitze auf, und als er anfängt zu spielen, Oh man. …“ Ihr tat das wirklich leid, genau diesen da ausgesucht zu haben, der jetzt die Begegnung besingen würde. Zumindest stellte sie Ihre Ohren auf, um die Schmach vollständig zu erdulden, um daraus zu lernen.
Und dann überraschte er sie. Kein Wort der Überheblichkeit, kein Spotlied auf eine unfähige Jägerin, sondern nur dieser absolut ehrliche Respekt vor Klaue und Fang und dass die Ahnen ihn verschonten, um von diesem erhabenen Moment zu berichten… Sie erinnerte sich genau daran, wie schlecht es ihr ging. Aufrichtig und ehrlich, und er wusste nicht, warum die Mondin das gemacht hat. Und als er dann auch noch ihre Schönheit, Ihre Augen und ihre Erhabenheit, mit der sie vor ihm stand, besungen hatte, da war es um ihr Herz geschehen: Sie mochte ihn einfach. So sehr, dass am liebsten aufstehen und um Verzeihung bitten wollte. Um ihn dann einfach kurz darauf zu zerreißen. Aber nein, sie fühlte sich verantwortlich. Sie ließ ihren Kopf auf den Baumstumpf nieder und schaute frustriert drein. „Und ich Nuss renne auch noch los, um noch einmal zu dem Feuerkreis zu gehen, um festzustellen, dass es nichts als glimmende Kohlen auf einer Waldlichtung waren. Sehe die Mondin und die Sterne und danke ihr dass ich das erleben durfte, diesen unglaublichen Frieden. Und dass dieser kleine Barde etwas besonderes sei, und man sein Leben bewahren sollte vor dem Gesetz. Wie konnte mir so ein endloser Unsinn entweichen“
Nach einer Weile stand sie auf und ging frustriert weiter. Naja, es sei wie es jetzt ist, Er kennt den Brauch mit der Klaue und hat zumindest verstanden, dass er ihr gehört. Also eigentlich, denn der Ritus sieht vor, dass er sich unterwirft und sie ihm dann die Gnade erweisen kann unter ihrem Schutz zu stehen. Nun gut, der Ritus der Klaue zieht sich jetzt etwas, und er weiß, sie sehen sich wieder, und sie will ihn haben.
Er hätte nur zuhören müssen: „Was war an ‚Für heute, kleiner Barde, spiele mir ein Lied. Denn ich bin neugierig, was er zu spielen hat, wenn er sich meiner bewusst ist.‚ ??? Dann hätte er sich meinem Wunsch unterworfen und ich hätte ihn an mein Feuer eingeladen und den Ritus beendet. Und was macht der kleine Braten“, sie imitiert seine Stimme und seinen Tonfall,
„Wenn ich aufspiele, aus Überzeugung, aus dem Herzen, und nicht, weil ich um mein Leben mit süßen Worten verhandeln oder betteln will. Und wenn nicht, dann nicht, Punkt.
Wenigstens ein wenig Bardenschläue hätte ich erwartet, aber ne, knallhart aufrichtig und ehrlich. Naja, heute Abend wird er wohl auf meine Bitte in der Taverne aufspielen, da kann ich noch mal mit ihm reden. Vielleicht fällt mir bis dahin was ein.“
Und sie musste zugeben: Sie hat vor der Welt Anspruch auf ihn erhoben und steht jetzt in der Schuld ihrer eigenen Beute.
Wie peinlich …

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