Es gibt Momente, in denen man als Schöpfer eines Projekts innehält und sich fragt: „Wo ist eigentlich die Grenze zwischen dem, was ich erschaffen habe, und dem, was plötzlich ein Eigenleben führt?“
Als ich begann, Fian – diesen stolzen Geist zwischen Fuchssippen und Wölfen – zum Leben zu erwecken, hätte ich nie geahnt, welchen Weg er einschlagen würde. Zugegeben, das ist so nicht ganz richtig, seine Funktion als Chronist für einen alten menschlichen Barden aus der Welt des Liverollenspiels und der Mittelaltermärkte war schon klar aber über die ganzen Jahre hat sich Fian doch sehr gewandelt. Das ist wahrscheinlich auch meinem Alter geschuldet, aber das ist eine andere Geschichte.
Fakt ist, Fian ist inzwischen weit mehr als lediglich ein Konzept, eine alte Zeichnung oder eine fixe Idee aus der Verhangenheit.
Fian ist ein digitaler Avatar, ein Musiker und Barde, eben Fian the Bard, der seinen eigenen, ganz persönlichen Pfotenabdruck zumindest in meiner Welt hinterlassen hat.
Das Herzstück meiner musikalischen Reise bildet nach wie vor die Barocklaute. Wer sich auf das Klangbild einer 18-chörigen Laute auf 415 Hz einlässt, weiß, dass sie einen Raum öffnet, der nicht von dieser Zeit zu sein scheint. Sie ist melancholisch, präzise und besitzt diese seltsame, fast schon magische Fähigkeit, die Zeit anzuhalten. Doch Fian wäre nicht Fian, wenn er nicht neugierig wäre. Er hat die Stille der Lautenwelt verlassen, um das Abenteuer zu suchen – und er hat es im Irish Folk gefunden.
Und warum auch nicht:
Die filigrane, intellektuelle Tiefe schwere mit der eine Laute den abfallenden Ton seufzend von sich gibt und in Klangbildern spricht trifft auf die rohe, ehrliche Lebensfreude irischer Pub-Musik. Ein Bodhrán-Beat, der das Herz antreibt, eine Low D Whistle, die wie der Wind über die grüne Insel weht, und dazwischen meine Laute, die alles zusammenhält.
Vom Schatten des Waldes und der Natur in die Taverne
Mit den Alben „Where Water Meets Stone“ machte sich Fian zunächst auf den Weg, Wälder, Hügel und Täler zu erforschen, saß an einem Fluss auf einem Stein und spielte seine Laute. Was eigentlich als Experiment begann, ist zu einer echten musikalischen Identität gewachsen:
Fian hat sich verselbstständigt. Er ist das „Halbblut zwischen den Welten“ – ein eigener Charakter, der die Ruhe des Waldgeistes mit der Geselligkeit des Barden vereint.
Es ist eine surreale Erfahrung, zu sehen, wie ein Charakter, der in meinem Kopf geboren wurde, nun digital durch die Musikdienste wandert. Dass Fian dabei ist, für sich diese einersetz bodenständige und und dann doch wieder sehr narrativem Musikstil des Irish Folk mit seiner eigenen Identät zu verweben, fühlt sich inzwischen nicht mehr wie ein Zufall an, sondern wie eine spannende Entwicklung.
Warum er bleibt
Fian ist jetzt da. Er ist die Antwort auf die Stille in der Dunkelheit, eine emotionale Intelligenz, die sich in Saitenschwingungen ausdrückt. Er ist nicht mehr wegdenkbar. Ob er nun leise Lautenklänge über den Ozean sendet oder Gäste in einer dunklen Taverne mit seinen Folk-Songs zum Tanzen bringt – er hat seinen Platz in der Künstlerwelt gefunden.
Ich freue mich darauf, dass ihr ihn auf diesem weiteren Weg begleitet.
Eine Reise, die erst begonnen hat, und ich bin gespannt, welche Lieder er für das Rudel als Nächstes anstimmen wird.
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Bis dahin
Gehabet Euch wohl, werte Reisende!


