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Die Schattenmärchen

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Der Sonnenaufgang

Posted on August 16, 2026August 16, 2026 by admin

Es war morgen.
Fian wachte in seinem Bett auf und irgendwie war es das erste Mal, dass er wirklich geschlafen hatte.

Er erinnerte sich nur noch verschwommen an die Ereignisse vom letzten Nachmittag, wie er neben ihr saß, und langsam die Welt im Regen um ihn herum dunkel wurde. Jetzt wo sein Geist langsam wieder erwachte, fing er an zu überlegen. Wieso liegt er eigentlich in seinem Bett? Dann hob er die Bettdecke etwas an, und sah, dass seine Wunden sorgfältig versorgt und verbunden wurden. Die Handschrift kannte er, er wusste, dass es einer der Fuchs-Medici gewesen sein musste. Und genau das ergab noch weniger Sinn, denn
eigentlich kannte er die nur als unhöfliche Alchimisten, die gerade mit ihm nichts zu tun haben wollten, und ihn mit allen Problemen im Wald einfach sterben lassen würden, nur wegen seiner eigenen Herkunft.

Um so erstaunlicher mit welcher Sorgfalt hier gearbeitet wurde.

Er stellte er seine Ohren auf. Da waren Stimmen in seiner Küche! Er konnte eindeutig eine männliche und eine weibliche Stimme hören, die leise miteinander redeten und scherzten. Dazu kam das regelmäßige Klappern von einer Tasse auf dem Küchentisch. Sitzen da etwa zwei Fremde an seinem Tisch und trinken … Tee? Er stand also vorsichtig auf und machte sich langsam auf den Weg zur Küchentür, um sie zu öffnen.

Sofort verstummte das Gespräch.

Und wie er erwartet hatte, da saß zur Linken de weiße Wölfin, und ihr gegenüber ein Medikus der Füchse aus den Mooren. Und sie unterhielten sich. Ja, die Wölfin konnte sogar lächeln, als Fian in der Tür stand: „Sehr schön, er steht wieder. Und sein Bein ist auch noch ganz. Danke für die Hilfe, Germonde.“ Der Fuchs zeigte in seinem flüchtigen Blick Richtung Fian seine persönliche Verachtung, und meinte nur staubtrocken. „Er wird es überleben. Ich denke damit ist der Gefallen erfüllt, den ich schuldete?“ Sie nickte nur kurz und hab ihm sehr direkt die Pfote mit den Worten: „Gewiss. Ich danke dir für deine Dienste, Germonde, der Gefallen ist hiermit vergolten. Lass uns in Frieden unseren Tee trinken.“

Der Fuchs nickte und antwortete: „Ich nehme das Angebot gerne an. Danach werde ich mich aber auch auf den Weg machen.“ Dann kamen noch ein paar abfällige Bemerkung darüber, dass ein solch hochwertiger Gefallen für ‚das da‘ einzufordern aus seiner Sicht völlig überzogen gewesen war.

Fian holte gerade Luft um etwas zum Thema „sein Haus und Höflichkeit an seinem Tisch“ sagen zu wollen, aber ein vernichtender Blick der Wölfin hielt ihn zurück und hieß zu schweigen. Stattdessen überging sie das Gaze, und bat Fian, noch eine Tasse frischen Tee aufzusetzen, und ihre Stimme machte deutlich, was sie davon halten würde wenn er jetzt etwas sagt. Also zog er es vor, schweigend neuen tee zu bereiten. Der Fuchs beobachtete das und fügte belustigt hinzu: „Gut erzogen, aber noch Lernbedarf…“ – „Überstrapaziere nicht das Gastrecht, Germonde. Du kennst die Regeln.“

Germonde verneigte vor ihr sein Haupt: „Ich bitte aufrichtig um Verzeihung, ich wollte lediglich berechtigte Gedanken anbringen. Aber es ist nicht meine Entscheidung, die hier getroffen wurde.“ Danach nickte er Fian kurz zu: „Pass die nächsten 2 Wochen gut auf deine Beine auf, kleiner Tuichtgut, ich möchte dich nämlich nicht wieder sehen müssen.“ Und dann wechselten Sie das Thema und sprachen über Jahreszeiten, Ernte und die Taverne, dass angeblich irgendwo tief im Wald ein besonderer Feuerkreis gewesen sein sollte, und weiteren Klatsch und Tratsch aus dem Nebelwälden. Zuguteretzt verabschiedete sich Germonde und die Wölfin saß alleine am Tisch. Ich höfliches Lächeln wich, als sie ihren Kopf auf ihre Pfoten lag und ihn direkt ansah. Sie wartete.

Fian stand wie erstarrt in seiner Küche.

Das leise, hölzerne Klacken, mit dem der Riegel der Außentür ins Schloss fiel und Gramondes Abgang besiegelte, schien die Luft im Raum augenblicklich zu verdichten. Zurück blieb nur die schwere, fast greifbare Stille der Küche, gemischt mit dem herben, stechenden Geruch von getrockneten Sumpfkräutern und alchemistischer Tinktur, der von Fians frisch verbundenem Bein aufstieg – und Duft des Kräutertees, den Fian am Herd aufgesetzt hatte.

Sie bewegte sich nicht. Ihr Kopf ruhte weiterhin schwer auf ihren weißen Vorderpfoten, die sie auf der Tischplatte gekreuzt hatte. Ihre Augen fixierten ihn reglos. Es war kein drohender Blick, aber er trug eine ungesprochene Anklage in sich. Fian humpelte vorsichtig zum Tisch. Jeder Schritt zerrte an den frischen Nähten, doch der Schmerz war dumpf, gedämpft durch die pragmatische Alchemie Geramondes. Schweigsam, stellte Fian noch eine Tasse mit dampfenden Kräutertee vor ihr ab.

Sie senkte den Blick kurz auf die dampfende Tasse, atmete den heißen Dunst ein und sah ihn dann wieder direkt an.

„Ein hoher Preis“, raunte sie schließlich. Ihre Stimme war so leise wie der erste Frost, der sich über die herbstlichen Blätter legt, doch sie schnitt Fian tief in die Brust. „Ein Gefallen bei den Fuchs-Sippen. Und ich habe in für dich eingelöst.“ Sie schwieg. Und wartete. Nach einer endlos erscheinenden Weile, an der sie an dem Tee mit geschlossenen Augen roch, zog sie die Tasse an sich ran und sagte leise. „Hol dir einen Tee und setz dich. Das Letzte, was ich will, ist, dass dein Bein noch mehr Hilfe braucht.“ Fian ging nahm sich seine Tasse und sie rutschte ihm aus den Pfoten. Erst jetzt bemerkte er, dass ihre Klaue in seiner Pfote nicht behandelt wurde, sondern nur notdürftig versorgt war. „ja, darum kannst du dich selber kümmern.“, sagte sie beiläufig, als Sie einen Schluck Tee trank. Dann stand sie auf und sagte: „Setz dich.“, und stellte ihm eine neue Tasse Tee hin.

So saßen sie sich gegenüber. Und Fian schwieg. Nicht, weil er nicht Fragen hätte, er wusste nur einfach nicht, wo er anfangen soll. Und ihm gegenüber sitzt die weiße Wölfin, die Königin des Nordens und genießt einfach eine Tasse Tee. Schließlich stellte sie die ihren auf und fragte nach einer Weile bedächtig: „Hörst du das?“. Er lauschte. „Draußen sind ein paar Vögel, das Feuer im Ofen, dann…“ Sie stand auf und ging um ihn herum. Dann legte sie bedächtig ihre Pfote auf seine Schulter und er wurde lieber still. Sie lauschte und flüsterte sanft in sein Ohr: „Ich meine das hier.. Stille. Und eigentlich hast du so viele Fragen,… Doch deine Fragen sind bedeutungslos, wenn ich rede wirst lernen.“ Dann legte sie ihm ein sorgsam gefaltetes Pergament hin und nahm ihre Pfote von seiner Schulter.

Er entfaltete das Pergament und las, was dort stand: „Das ist … Pfannenbrot, wie er in der Taverne serviert wird.“ Sie nickte bedächtig. „Ganz genau, und heute zur achtzehnten Stunde des Tages. Auf der Lichtung vor der Taverne. Du weißt wo.“ Dann ging sie einfach und er saß am Tisch alleine.

Nur er, tausende Fragen, und diese einsame Stille in seiner kleinen Küche.

1 thought on “Der Sonnenaufgang”

  1. Pingback: When sun is rising | Fian The Bard

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