Der Morgen in der Taverne begann stets mit dem gedämpften Klirren von Gusseisen und einem Duft, der selbst die tiefsten Schläfer in die Schankräume zu locken vermochte.
In den schweren gusseisernen Pfannen über dem Herd backte bereits das frisches Pfannenbrot zum Frühstück, während eine Füchsin geschäftig Krüge mit heißem Gewürztee auf den massiven Eichentischen verteilte.
Zwei Händler, deren Umhänge noch feucht vom Morgentau waren, teilten sich verschlafen eine Schale mit geräuchertem Fisch und Käse mit einem mürrischen, Pfeife rauchenden Dachs. So begann ein typischer Tag in der Taverne: leise, friedlich, und nur flüsternde Gespräche durchrachen gemeinsam mit dem Knistern des Feuers im Kamin die morgendliche Stille.
Gegen Mittag wandelte sich die Atmosphäre.
Das durch die Fenster fallende Sonnenlicht tanzte auf den Dielen, und die Tische füllten sich mit einer bunten Mischung aus rastenden Reisenden und vertrauten Waldbewohnern.
In der Ecke des Schankraums fanden sich die Barden zusammen, wie sie es an jedem Sonnentag taten.
Ein hochgewachsener Luchs stimmte konzentriert seine Laute; und er nickte zufriegen, als seine tiefste Seite spürbar in der Holzvertäfelung war, bevor er seine neueste Melodie an eine junge Bardin übergab. Die beiden tauschten leise murmelnd Akkordfolgen und unvollendete Strophen aus. Ihre Köpfe steckten dabei so dicht zusammen, dass sich ihre Blicke immer wieder fanden und ein schüchternes, wärmendes Lächeln zwischen den Tönen hing – eine zarte, unausgesprochene Zuneigung, die den Umstehenden nicht verborgen blieb, aber mit respektvollem Schmunzeln diskret ignoriert wurde.
Am späten Nachmittag zog ein kurzes Drama die Aufmerksamkeit der Schankstube auf sich.
Ein reisender Marder stieß in seiner aufbrausenden, gestikulierenden Art versehentlich den vollen Humpen eines grimmig dreinblickenden Keilers um. Für einen Moment stand die Luft im Raum still, Pfoten ballten sich, doch bevor Worte zu eskalierendem Streit werden konnten, schob die Wirtin einen frischen, schäumenden Krug zwischen die beiden und beendete den Streit mit einem einzigen, unmissverständlichen Räuspern. Keine halbe Stunde später saßen Marder und Keiler bereits in ein gemeinsames, lautes Gespräch über die schlechten Straßenverhältnisse vertieft.
Als die Dämmerung hereinbrach und die ersten Talglichter entzündet wurden, senkten sich die Stimmen in der Taverne.
Bei kräftigem Wurzeleintopf und dunklem Ale rückten die Reisenden enger ans Feuer.
Es war die Zeit der geflüsterten Geschichten.
Ein alter Tuchhändler beugte sich verschwörerisch zu seinen Nachbarn und erzählte von den wandernden Schatten am Waldrand. Er schwor, dass die Wölfe wieder aus den Bergen herabgestiegen seien, um ihren alten Pflichten in der Dunkelheit nachzugehen. Wenn man in der mondlosen Nacht genau hinsehe, so raunte er, könne man ihre Augen glühen sehen – kalte, leuchtende Funken tief im Unterholz, wenn das Rudel vollkommen lautlos jage. Die Nackenhaare einiger Zuhörer sträubten sich leicht, und manch einer blickte instinktiv zu den nun fest verriegelten Fensterläden.
Doch hier drinnen, umgeben vom Duft nach gebratenen Pilzen und frischem Brot, dem steten Zupfen der Lautensaiten und dem leisen, beruhigenden Klappern der Teller, fühlte sich die Dunkelheit draußen nur wie ein weiteres spannendes Märchen an, das diese lebendige, warme Zuflucht sicher umschloss
Ja, ein ganz normaler Tag in der Taverne…

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