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Die Schattenmärchen

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Fian und die weiße Wölfin

Posted on Juli 24, 2026Juli 24, 2026 by admin

Die Sonne stieg bereits über die Baumwipfel, als Fian die Taverne verließ. Nun, er hatte nicht unbedingt damit gerechnet, so spät in die Nacht aufzuspielen, zusammen mit anderen, aber es war ein sehr schöner Abend geworden. Der Met und das Pine-Bier floss weniger, so hatte er keine von Alkohol beschwerten Glieder, als er als Lohn für seine gelungenen Bardendienste ein Lager für die Nacht und ein Frühstück angeboten bekam. Und so, nach dem Frühstück machte er sich dann auf zurück in die Wälder. Der Morgentau lag noch in der Luft, als sich die Holztür schloss, und er langsam und bedächtig den Tag begrüßte. So ein Bardenleben hat halt immer seine Vor- und Nachteile, ging ihm durch den Sinn. Und nach jener Nacht war ihm klar, dass seine Tage auf dieser Welt wohl gezählt waren. Er würde wiederkommen, dieser Schatten der Nacht, und ihm folgte eine Jägerin. Doch es ist eben wie es ist, und letztendlich, wenn man etwas nicht ändern kann, kann man sich zumindest entscheiden, wie man dem Unausweichlichen gegenüberstehen möchte. Das ändert nichts an der Tatsache, wenn das Gesetz von Klaue und Fang einen Tribut fordert, aber es hat irgendwo auch etwas tröstliches – sie gewährte ihm noch ein wenig Zeit hier in dieser Welt, und er war entschlossen, diese zu nutzen, um, ja, eigentlich seinen Frieden mit sich selber zu machen. 

Er legte seine Nase in die kühle Morgenluft und zog die Luft tief ein.  Die ersten Blumen öffneten sich, und die kühle schwere der Nebel der Moore lag in der Luft, aber … da war noch etwas anderes. Er kannte diesen seltsamen Geruch, er hatte ihn … Das kann nicht sein, …. , dachte er sich. Und er ging der seltsamen Fährte nach. Und dann im Schatten in der Morgenluft, saß eine weibliche Gestalt, und beobachtete ihn mit aufgestellten Ohren. Sehr Aufmeksam saß sie da. Und wartete. Er war unsicher, was er tun sollte, aber irgend etwas wurde scheinbar von ihm erwartet. Ihre blicke trafen sich und, sie lächelte. Also nicht dieses ’schön, dass Du da bist‘ – Lächeln, sondern dieses wissende, tiefe, dass sie gefunden hatte wonach sie suchte. Ihre Augen brachen die Morgensonne wie kühles Glas, und in ihrem blick war eine unendliche Tiefe, ein wissen über das Ende aller Dinge und vor allem eins: Tiefer und ehrlicher, aufrichtiger Respekt vor dem, was sie sah. Und ja, in ihrem Blick war zu lesen, dass es keinen Platz für Weglaufen oder Ignorieren gab.

Es ist ein sehr komisches Gefühl, wenn man seinem eigenen Schicksal schon Auge in Auge gegenüber gestanden hat, und dann beschließt dieses Schicksal seltsame Dinge und besteht danach tatsächlich noch, reden zu wollen, in einer Zeit, da alle Worte dieser Welt bereits gesagt waren. Hier jetzt keine Angst zu haben, oder den Todesmut zu beweisen, Rechtfertigungen und Verhandlungen einfordern, nun, Fian hatte viele Möglichkeiten, und letztendlich traf er für sich eine Wahl. Er  schulterte seine alte Laute und beschloss, zu ihr zu gehen. Sie richtete ihr Haupt auf und ihre Haltung hieß ihn als Gast bei ihrer Rast willkommen. 

Sie schauten sich kühl and, und sprach die Wöfin nach einer Weile stillen Schweigens: „Der kleine Barde, der sich zu mir gesetzt hat, ist wirklich seltsam. Und er hat meine vor dem Antlitz der Mondin meine volle Aufmerksamkeit.“ 

Sie drückte ihm ihre Klaue auf sein Bein, so sehr, dass sie blutig wurde. Und er verstummte. In seinem Blick war kein Widerspruch, keine Angst, einfach diese tiefe Akzeptanz, dass sein Leben in ihren Pfoten lag. Und saßen sich in Stille gegenüber. In Stille, ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet und der Akzeptanz der Beute. Schließlich beugte sie sich langsam vor, schloss die Augen und nahm seinen Geruch tief in sich auf. Dann flüsterte sie leise in sein Ohr: „Der kleine Barde weiß, wann alle Worte, die es zusagen gibt, gesagt wurden. Das ist gut, denn es gibt noch so endlos viel, was es in der Stille zu lernen gibt, bevor ein Feuer verlöscht. Für heute, kleiner Barde, spiele mir ein Lied. Denn ich bin neugierig, was er zu spielen hat, wenn er sich meiner bewusst ist.“

Mit diesen Worten löste sie ihre Klaue und gab ihn frei. Sie betrachtete ihre Klaue. Sie lauschte. Aufmerksam und still. Er nahm seine Laute, um sie unter ihren geduldigen Augen bedächtig zu stimmen. Und dann, spielte er nicht, sondern begegnete einfach nur ihrem kühlen Blick. „Was ist los, kleiner Barde, möchtest  du nicht, um dein Leben spielen?“ fragte sie nach einer endlosen Stille zwischen ihnen. Fian musste leicht lächeln: „Spielen? Wie die Königin der Nacht es erwähnte, es gibt nichts zu spielen. Nicht wie in jener Nacht, nicht, wie in dieser Taverne dort drüben.

Und wenn ich aufspiele, aus Überzeugung, aus dem Herzen, und nicht, weil ich um mein Leben mit süßen Worten verhandeln oder betteln will. Wenn das Rad der Zeit es wünscht, wird sich ein Lied erheben, aber wer bin ich, dass ich dieses Lied singen will?“ Sie legte den Kopf schräg. „Und… wenn das Rad der Zeit den roten Tribut fordert, des Nachts im Wald, und das Lied nicht erklungen ist?“ Er antwortete mit leicht gesenktem Kopf: „Dann… ist alles gesagt, was es zu sagen gab, und in der Stille liegt die Antwort auf die Frage, ob ich zu spielen gedenke.“

So saßen sie sich gegenüber, Jäger und Beute, und betrachteten sich gegenseitig. Und über allem lag nur diese Stille Akzeptanz der eigenen Rolle. Schließlich lächelte sie. „Kleiner Barde, ich möchte, dass Du für mich spielst. Heute in der nächtlichen Stunde, in jener Taverne. Und im Antlitz der Mondin, dieses Lied wird kein Schiedsspruch über den roten Tribut sein.“ Er sah in die Güte ihrer Augen und wollte erwidern, dass genau dieser Schiedsspruch doch eigentlich schon längst gefallen sei in jener Nacht dort draußen in den Wäldern, doch sie beugte sich vor und legte ihre Klaue auf seine Brust, mit dem Gewicht der Ewigkeit. „Kleiner Barde.“, flüsterte sie, und es klang wie der leichte Morgenwind, „Es gibt hier nichts weiter zu reden. So wie es nicht mein Recht ist, dieses zu fordern, ist es jetzt an dem Barden, zu entscheiden was getan wird. Ändern wird sich nichts, denn ich habe mich bereits entschieden. Der kleine Barde jedoch hat seine Wahl noch nicht getroffen. Die Zukunft schenkt ihm aus jenem Grund viele dunkle Waldwege, der beschritten werden könnten.

Wenn es an der Zeit ist, wird er aber einen von ihnen gehen…“

Mit diesen Worten stand sie auf und verschwand in den tiefen der Nebelwälder.

1 thought on “Fian und die weiße Wölfin”

  1. Pingback: Fian and the Hunting Wolf | Fian The Bard

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