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Die Schattenmärchen

Die Schattenmärchen

… bis zur Unendlichkeit, und danach sehen wir weiter!

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Teil 1 – Das Echo der Nacht

Posted on Juli 25, 2026Juli 27, 2026 by admin
„Tretet näher, Reisende, und wärmt eure Pfoten an der Glut meines Feuers. Der Nebelwald ist heute Nacht dicht, und der Wind trägt den eiskalten Atem der Wildnis mit sich. Doch wir sitzen hier sicher und warm in unserer geliebten Taverne bei Dämmerlicht, umgeben von euren Gefährten.  Ihr trinkt euren Pine-Met und fühlt euch geborgen. Doch wisst ihr, was mit jenen geschieht, die sich in ihrer eigenen Eitelkeit verlieren? Mit jenen, die den Wald betreten, ohne die Demut zu kennen, und glauben, sie könnten die Natur mit Arroganz und gezogenen Klingen bezwingen? Die Natur tötet sie nicht einfach. Nein, meine Freunde, das wäre wahrlich zu einfach…
 
Wer die Mächte des Waldes eitel herausfordert, fällt in das Echo der Nacht:
 
Ein düsterer Ort fern von jeder Zeit,wo ein endloser Kreis aus Traum und Schmerz herrscht, ein Ort, wo verirrte Seelen so lange in den Träumen ihrer selbst verzweifeln, bis sie bereit sind, ihr Schicksal zu akzeptieren. Dieser Ort ist ief im Herzen der unendlichen Nebel, dort wo nirgens ein Feuer zu brennen vermag, und die Seelen zwischen Traum und Wirklichkeit umherirren und sich selber suchen.  Und im Herzen dieser Nebel aus Träumen, dort wartet er – was ein Reisender dort findet in seinen Träumen zwischen Leben und Tod, vermag ich nicht zu sagen, in unserer Geschichte war es ein einfach ein Schmied.  Hört gut zu und lasst meine Laute euch die Warnung von Boraida erzählen – einem Wanderer, der vergessen hatte, wer er war, und lernen musste, seine eigenen Lumpen im Feuer zu verbrennen, um dem Echo der Nacht zu entkommen…“
 

Before we start, do you also have in … ENGLISH? 
Shure, my friend, follow this link: Echo of the Night

„Wie ist das eigentlich passiert? Wo bin ich überhaupt?“, dachte Boraida schaute sich um… Das letzte, woran er sich erinnerte, war, ja, eine Art von Ruck oder Stoß und nun war er hier. Das einzige Problem ist: Was war „hier“?

Boraida sah sich noch genauer um…

Ein Wald – Und Nein, er erinnerte sich nicht mehr an diesen Ort. Er fluchte, wahrscheinlich ist ein Ast vom Baum gefallen, und hat ihn getroffen. Und jetzt kann er sich nicht mehr erinnern. Ja genau, das wird es sein! Bloß… was macht man, wenn man in einem dunklen Wald sich plötzlich nicht mehr erinnern kann, woher man kam oder wo man hin wollte? Schließlich kam er zum Schluss, dass er dieses Rätsel wohl jetzt nicht lösen wird und er auf den Sonnenaufgang warten sollte. Jetzt in Panik irgendwo hin zu laufen bedeutet, den Pfad zu verlassen, und das wäre mit Sicherheit falsch. So suchte er sich einen versteckten Ort am Wegesrand, und legte sich schlafen.

Alpträume quälten ihn die kurze Zeit, die er wohl schlief.

Schatten fielen über ihn her, irgendjemand rief etwas, immer wieder war da dieses helle Knacken, Blitzen oder Leuchten! Und dann… Blut! So endlos viel Blut! Boraida schreckte hoch aus dem Alptraum. Etwas hatte ihn GESTOCHEN! Im Traum! So etwas… so etwas gab es doch gar nicht, im Traum hat man niemals Schmerzen, nicht einmal in einem Alptraum, das weiß doch jedes Kind!

Instinktiv schaute sich Boraida die Stelle an, und da war sie, die Stichwunde aus dem grausamen Traum. Er nahm sein Messer in die Hand und schaute sich um. „Wer ist da?!“, rief er wütend, „Wer immer du bist, du
wirst diesen Ort nicht mehr lebend verlassen, du Feigling!“

Niemand antwortete.

Und dennoch: Irgendetwas stimmte hier nicht! Nicht einmal ein Tier schien hier zu sein. Lediglich der frühen Morgenstunden unwirkliches Dämmerlicht und ein toter Wald, sonst nichts. Wieso war ihm das vorhin nicht aufgefallen? Fröstelnd viel sein Blick auf die Klinge, und er bemerkte ein paar Tropfen frisches Blut an ihr. „Das kann doch nicht wahr sein…“ Fassungslos betrachtete er das Messer, und ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter. So saß er endlos erscheinende Stunden und wagte nicht, noch einmal ein zu schlafen. Was war geschehen, das er hier an diesem verfluchten Ort gelandet war?

Plötzlich stieg Panik in ihm auf, befahl ihm zu rennen. Egal wohin, Hauptsache weg von hier!

Irgendwann – er wusste nicht wann – kam Nebel auf, und die ersten Sonnestrahlen blitzten durch die ersten Zweige. Er schaute sich um, und fand einen kleinen Pfad, der sich durch den Wald bahnte. Boraida atmete auf. Endlich ein Weg. Wo ein Weg ist, da ist auch ein Haus. Irgendeine andere Seele, welche er nach dem Weg aus diesem Wald fragen könnte. Erleichtert atmete er durch machte sich auf, dieser Schauermär ein Ende zu bereiten.

Stunden vergingen.

Der Weg wandte sich wie eine Schlange durch die sanften Hügel und Täler, immer wieder schien es derselbe Baum am Wegesrand zu sein, wie im Tal zuvor. Kein Tier zu hören, nicht einmal eine Fliege summte ihr Lied.

Nur diese geisterhafte Stille.

Und dann dieser Nebel, der sich in den Bäumen verfangen hatte und seltsame Gestalten bildete …
„Verdammt, das ist bloß ein Wald wie jeder andere, jetzt reiß dich mal zusammen!“ schrie Boraida ärgerlich zu sich selbst. „Nur ein Wald, nichts weiter! Davon hast du schon mehr als einen durchwandert.“ Wie eine Rasierklinge durchschnitt seine Stimme die nebelgeschwängerte Luft, trieb hinaus und wurde verschluckt. Strafend schien die Stille ihm Schelte zu heißen, die Ruhe gestört zu haben.

Schweigend und einsam lief Boraida weiter durch den Wald, hörte nichts als seine eigenen Fußstapfen. Hinter sich sah er, wie die Sonne den Himmel in ein Meer von Purpur färbte und dann verschwand. Die zweite Nacht in dieser unwirklichen Wildnis begann. Bis tief in die Nacht folgte er dem Weg, bis er einfach nicht mehr weiter konnte. Er aß sein letztes Stückchen Brot und trank den letzten Tropfen Wasser, den er noch bei sich hatte. „Auf dich, Tod“, prostete er in die Luft, „Ich wette, du hast mich wohl gefunden!“ Danach legte er sich schlafen, und beschloss, auf den Tod zu warten.

Alpträume schüttelten ihn, …

Da war wieder dieses Donnergrollen, irgend jemand schrie etwas und dann blitzte es, gefolgt von einem sengenden Schmerz in seinem Bein. Von Angst und Panik ergriffen schreckte er hoch. Panisch schaute er nach seinem Bein, doch dort war nur eine Narbe von einer Verletzung, an die er sich nicht erinnerte. Aber der sengende und glühende Schmerz aus dem Traum verfolgte ihn weiter, er traute sich nicht, ein zu schlafen. Stattdessen dachte er nach. Warum hatte er solche Träume? So saß er den Rest der Nacht an einem Baum am Wegesrand und beobachtete, wie der Frühnebel aufzog und die Sonne ankündigte.

DING… DING … DINGDING … ZSCH…

Boraida schaute auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Klingt fast wie das vertraute Hämmern aus einer Schmiede. Aber hier draußen? Mitten in der Wildnis? Vielleicht träumt er ja auch, der Beweis mit dem Schmerz funktioniert ja hier auch nicht. Irgendwo links von ihm, im Wald, war das Geräusch. Boraida dachte nach, sollte er es riskieren, den Weg zu verlassen? Hunger und Durst erleichterten es ihm, eine Antwort zu finden. So schlug er sich in die Büsche, und lief zu dem Geräusch. Ding … Ding … Um ihn schloss sich der Nebel zu einem undurchdringlichen und unheimlich wabernden Wall.

Das Geräusch wurde lauter.

„Hallo? Ist da jemand?“ Boraida bahnte sich seinen Weg durch das unerbittliche Unterholz. „Bitte, ich bin nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat!“ Da hörte das Hämmern auf und eine Stimme antwortete: „sind wir das nicht alle?“ Boraida kam näher und sah sich um. Kein Pfad führte zu der Schmiede, sie schien wirklich einsam und verlassen mitten in diesem Wald zu stehen, umgeben von einer undurchdringlich wirkenden Nebelmauer.

„Bitte“, fragte er, „wo ist das nächste Dorf?“ Der Schmied schaute seinen Gast an: „Aber du bist doch
eben erst hier angekommen, warum so viel Eile?“ Mit diesen Worten hämmerte er wieder auf seinem Amboss und führte seine Arbeit fort. DING… DING… „Ich möchte Euch ja wirklich nicht auf die Nerven fallen, aber…“ fing Boraida an, da unterbrach ihn der Schmied knapp: „Ich bin gerade an einer kritischen Stelle!“ und hämmerte dann eine Weile schweigend vor sich hin. Schließlich beträufelte er sein Werk mit Öl und hielt es stolz in die Höhe: „Und? Wie findest du es?“ „Na ja, es ist…“ Boraida suchte nach einem passenden Wort. Das Ding sah aus wie ein zerknittertes Papier oder ein vertrocknetes Blatt. Aber mit Sicherheit nicht wie das Werk eines Meisterschmieds. „Genau!“ sagte der Schmied, „es ist alles, was man braucht.“ Damit legte er den Schmiedehammer beiseite und ging in Richtung Hütte.

„Guter Mann“, fing Boraida an, „ich möchte wirklich nicht unhöflich sein, aber wo ist das nächste Dorf? Ich muss dringend…“ Der Schmied drehte sich plötzlich um und fragte mit eisigem Blick: „Müssen? Gestern Abend hast du gar nichts mehr vor gehabt und jetzt musst du auf einmal wieder?“ Boraida spürte, wie in ihm der Zorn aufstieg: „Pass mal auf, Väterchen, es ist mir völlig egal, wer du bist, aber du sagst mir jetzt sofort wo das nächste Dorf ist, oder…“ „Oder was?“ Der alte Schmied schaute ihn erwartungsvoll an.

Unvermittelt drehte er sich wieder um und kicherte wirr: „Ich weiß, was ich jetzt mache. Ich gehe jetzt einfach erstmal was essen. Ich habe richtig Hunger.“ Boraida stürzte sich von hinten mit gezogenem Messer auf den Schmied und schrie: „Du verdammter Hundesohn, dir zeig ich, was es bedeutet, mich zu veralbern! DU warst es, der mich beobachtet hat und das schon die ganze Zeit! Ich wusste es doch!“ Mit diesen hasserfüllten Worten bohrte sich die Klinge in den Körper des Schmieds. Er riss sich mitsamt dem Messer los. Boraida nahm instinktiv den großen Schmiedehammer und schlug voller Hass nach dem Kopf. Ein Knacken – Nach endlos erscheinenden Sekunden sackte der Schmied langsam und lautlos flüsternd in sich zusammen.

Eine geisterhafte Stille waberte in diesem Augenblick in der Luft, greifbar und doch ohne Substanz. Boraida fröstelte. Irgendwie kam ihm dieses Bild bekannt vor, hatte er das schon einmal erlebt? Natürlich, in seinem Traum! Ein Stich, ein Knacken, Lichtblitze und …

Eiskalt lief ihm der Gedanke den Rücken hinunter.

Eilig durchsuchte er die Hütte des Schmieds, nahm die Lebensmittel an sich, und rannte so schnell er konnte hinaus in den Nebel in Richtung des Weges. Bloß weg von diesem verfluchten Ort! Nach kurzer Zeit fand er den alten Weg wieder und setzte seinen Weg fort. Er drehte sich auf diesem seltsamen Weg nicht einmal mehr um. „Boraida, wo bist du da nur rein geraten?“ Auch dieses Mal antwortete lediglich diese unwirkliche Stille…

Er teilte sich die Verpflegung sorgfältig ein, doch nach endlosen Tagesmärschen neigte auch sie sich dem Ende. Der Weg jedoch schien endlos zu sein. Die Zeit verging nur langsam. Boraida wusste schon lange nicht mehr, wie lange er unterwegs war. Schon vor Tagen war ihm das letzte Wasser und Brot ausgegangen und der trostlose Waldweg lief immer weiter vor sich hin. Tagsüber diese greifbare Stille und des Nachts schüttelten ihn grausame Alpträume. Eine Weile dachte er darüber nach, wer er wirklich war und was er wohl vergessen hatte, als er vor so endlos langen Tagen und Nächten hier mitten im Wald aufgewacht war. Aber nun wurde es ganz allmählich unwichtig, denn nur er war da. Ganz alleine und einsam. Als seine erbeuteten Lebensmittel zur Neige gingen, teilte er sie erneut ein, doch es half nichts.


„Meine Freunde, ich entbiete Euch meine Grüße, auch ein Barde muss sich die Kehle etwas befeuchten, um euch weiterhin Geschichten erzählen zu können! Aber seid unbesorgt, wir machen gleich weiter!“

Er verbeugte sich demütig vor seinem applaudierenden Publikum und legte seine Laute beiseite. „Was für ein schöner Abend …“, murmelte er leise vor sich hin, während er zur Bar ging.

 

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