Der Flitzebogen steht oft als harmloses Kinderspielzeug im Laden, und ganz oft hört man oft ein „Ach, ein Flitzebogen, das hatte ich als Kind auch!“ – Tatsächlich ist diese Denkweise trügerisch, denn ein Flitzebogen ist eben KEIN Kinderspielzeug, und die verklärte „Vorgarten“ – Bogenbahn kann sehr schnell auch gefährlich werden, da sowohl die Reichweite als auch die Durchschlagskraft eines Pfeils in vielen Fällen schlichtweg unterschätzt wird – dazu aber in einem weiteren Teil noch einmal mehr!
In diesem Teil räumen wir erst einmal mit dem Vorurteil des Kinderspielzeugs auf:
Der Flitzebogen hat sowohl als Begriff als auch als ernst gemeinte Waffe eine sehr bewegte Geschichte, vor der man wirklich Respekt haben sollte – die heutige Einordnung des Flitzebogens als reines Kinderspielzeug ist nämlich sehr irreführend, denn sie blendet die historische Bedeutung und die ursprüngliche Funktion dieser Waffe aus.
Der Flitzebogen war (und ist) ein wichtiges Werkzeug für das Überleben und den Krieg, und seine Geschichte ist eng mit der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft verbunden.
Die frühen Jahre: Der Siegeszug des Bogens als Kriegswaffe
Gerade die historische Bedeutung als Jagd- und Kriegswaffe wird durch die heutige Verharmlosung oft verkannt – den Bogen als Kriegsgerät einzusetzen entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg zu einem wahren Gamechanger – selbst in den großen Weltkriegen des 20. Jahrhunderts war der Bogen für spezielle Anwendungen immer noch – wenn auch vereinzelt – zu finden. Aber zurück zum Siegeszug:
Bis zur Schlacht von Hastings im Jahr 1066 wurde der Bogen in vielen Kulturen, insbesondere in Europa, als Kriegswaffe eher verpönt. Er galt als „feige“, da er es ermöglichte, den Feind aus der Ferne zu töten, ohne sich ihm im direkten Kampf stellen zu müssen. Die Vorstellung von einem ehrenhaften Kampf war eng mit dem Nahkampf verbunden. Der Ausgang bei der Schlacht von Hastings veränderte diese Sichtweise grundlegend:
Die normannischen Bogenschützen spielten eine entscheidende Rolle beim Sieg über die angelsächsischen Truppen. Ihre Fähigkeit, Pfeile in großer Zahl und mit hoher Geschwindigkeit abzufeuern, durchbrach die angelsächsische Verteidigungslinie und trug maßgeblich zum Sieg Wilhelms des Eroberers bei.
Diese Schlacht demonstrierte auf spektakuläre Weise die Überlegenheit des Bogens als Waffe, und veränderte als Konsequenz nachhaltig das Schlachtfeld, indem spezialisierte Bogenschützen – Einheiten zu einem festen Bestandteil militärischer Auseinandersetzungen wurden – ein Trend, deren Bedeutung in den folgenden Jahrhunderten noch zunehmen sollte, und die Entwicklung von immer besseren Schusswaffen maßgeblich beeinflusste.
Professioneller Bogen vs. Flitzebogen – wo war da der Unterschied
Auf den Punkt gebracht, professionelle und hochspezialisierte Bogenschützen waren, genau wie ihr Werkzeug, der Langbogen, für damalige Verhältnisse sehr kostspielig. Im Mittelalter ging man schleichend dazu über, den professionellen Bogenschützen durch eine sagen wir „etwas günstigere Variante“ zu ersetzen…
Und da kam der Flitzebogen ins Spiel:
Die Herkunft des Wortes „Flitzebogen“ ist sprachlich betrachtet, eine interessante Reise in die Vergangenheit. Der Begriff selbst stammt aus dem Mittelniederdeutschen, einer Sprache, die im Mittelalter im norddeutschen Raum gesprochen wurde. Das Wort „flitsbōgen“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „flits“ und „bōgen“.
- „flits“: Dieses Wort bedeutet so viel wie „schnell“, „fliegend“ oder „schleudernd“. Es beschreibt die schnelle Bewegung des Pfeils, wenn er vom Bogen abgeschossen wird.
- „bōgen“: Dies ist das mittelniederdeutsche Wort für „Bogen“, also die Waffe selbst.
Zusammengesetzt ergibt „flitsbōgen“ also einen „schnell schießenden Bogen“ oder einen „Bogen, der Geschosse schleudert“. Diese etymologische Analyse verdeutlicht, dass der Begriff ursprünglich eine Waffe beschrieb, die für ihre Schnelligkeit und Effektivität bekannt war.
Der Vorteil dabei war, dass diese relativ günstig aus Weide gefertigt wurden, und mit günstigen Tiersehnen oder Hanfbändern einfach in der Handhabung waren – Fußsoldaten nutzten den „flitsbōgen“ oft als gelegentliche Zweitwaffe: Die einfache Handhabung war schnell erlernbar, und auf kürzere Distanzen war auch ein mittelmäßiger Bogenschütze nicht zu verachten.
Mit dem Aufkommen modernerer Feuerwaffen verlor der Bogen an sich seine Bedeutung „Kriegswerkzeug“ – und wurde eher zu einer Beschäftigung für Sport und Freizeit. Zu der falschen Einordnung als „Kinderspielzeug“ übrigens trug maßgeblich auch die Romantisierung des „Indianerspiels“ im 19. und 20. Jahrhundert bei, nicht zuletzt auch, um den Charakter der „Kriegswaffe“ zu verniedlichen.
Was man jedoch niemals vergessen sollte:
Der Flitzebogen ist mehr als nur ein harmloses Kinderspielzeug. Er ist ein Zeugnis der menschlichen Erfindungsgabe und ein Symbol für die Entwicklung der Waffentechnik. Seine Geschichte reicht von der Jagd und dem Krieg bis hin zum Spiel und Sport. Indem wir seine ursprüngliche Bedeutung anerkennen, können wir ein tieferes Verständnis für die Vergangenheit gewinnen und die Vielseitigkeit dieses einfachen, aber wirkungsvollen Werkzeugs würdigen.