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Die Schattenmärchen

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Ostereier für alle

Posted on Februar 20, 2026März 20, 2026 by admin

Ostern gab es schon immer. Und nein, auch wenn heutzutage der chrsitliche Kontext überwiegt, es gab dieses Fest tatsächlich schon weit vor dem Christentum, die Ursprünge liegen ganz wo anders. Und der kleine Hoppelhase, der zu Ostern durch die Gärten flitzt und bunte Eier versteckt, ist ein Beleg dafür, dass dieses Fest nicht unbedingt als ernstes Fest gefeiert werden muss, sondern letztendlich auch als Frühlingsfest für alle verstanden werden kann. Doch dahinter steckt ein jahrtausendalter Krimi, der spannende Fragen aufwirft, wie zum Beispiel, warum das Osterfest – anders als das Weihnachten – immer an einem anderen Tag gefeiert wird, oder wieso Eier „bunt“ wurden, oder wie es der Hase geschafft hat, das Rennen um den osterlichen Frühlingszauber zu gewinnen? 

Es gibt viele Gründe, warum, gerade Ostern eine kleine Zeitreise in die Geschichte wert ist.

Der Ursprung – die Gabe Ostaras

Zugegeben, darüber streiten sich heute viele Historiker. Ob es diese germanische Göttin gegeben hat oder nicht, wird wohl niemals abschließend geklärt werden können. Zusätzlich treffen akademische Meinungen aufeinander,  warum es jetzt ausgerechnet „Ostern“ heißt.

Das Fest für sich folgt dem ersten Frühlingsvollmond, und bildet einen klaren Anker im kosmischen Kalender als ein Zeichen für Wiedergeburt, Auferstehung, Rückkehr vom Winter und was nicht alles. Und belegt ist, dass der Hase als Fabelwesen von zentraler Bedeutung für dieses Frühlingsfest war.

Ob es jetzt Zufall war, oder nicht, es fiel auf jeden Fall auf dieselbe Zeit wie das jüdische Pessach-Fest, was die frühen Wanderprediger nutzten, um die christliche Deutungshoheit zu erklären – nicht zuletzt war das möglich, weil es eine gewisse Überschneidung gab, denn das heidnische Frühlingsfest,  Pessach als auch die Ereignisse um die Kreuzigung von Jesu Christi fielen etwa auf dieselbe Zeit. Was die frühen Wanderprediger nicht versucht haben, war der Verbot von heidnischen Festen. Im Gegenteil, sie nahmen lokale Bräuche, und brachten kirchliche Interpretationen ins Spiel, und versuchten, damit den eigentlichen Ursprung eher umzudeuten.

Das Frühlingsfest um Ostern ist für sich als Fest nach dem ersten Frühlingsvollmond geblieben, und alle konnten – wenn auch mit unterschiedlicher Betrachtungsweise – gemeinsam dasselbe Fest feiern, und irgendwann im Lauf der Jahrhunderte übernahm die christliche Deutungshoheit halt das Narrativ und damit auch die Bräuche. 

Pessach und die Passion- das Problem mit dem Osterfest

Gut, wie bereits erwähnt, die Wurzeln unseres christlich geprägten Osterfestes liegen tief im jüdischen Pessach-Fest. Jesus und seine Jünger feierten Pessach, das Fest der Befreiung aus der Sklaverei, als die Ereignisse der Passion ihren Lauf nahmen. Logischerweise liegen diese beiden Feste nicht nur zeitlich dicht beieinander, sondern sind untrennbar miteinander verwoben. Lange Zeit feierten Christen und Juden ihre Feste daher fast zeitgleich, was im Alltag der frühen Gemeinden niemanden wirklich störte.

Das änderte sich im Jahr 325 n. Chr. Auf dem Konzil von Nicäa beschlossen Kaiser Konstantin und die Bischöfe, dass das christliche Osterfest eine eigene, unabhängige Identität brauchte. Als religiöses Kernereignis, an dem wie an einer Kette fast alle anderen Feiertage hängen, sollte Ostern nicht länger von den Berechnungen eines anderen Glaubens abhängig sein. Man wollte eine klare Abgrenzung: Ostern und Pessach sollten niemals auf denselben Tag fallen können.

Die Lösung war so einfach, wie genial und basierte auf zwei Regeln, die den Kosmos als Taktgeber nutzten:

Der Tanz mit dem Mond: Man legte fest, dass Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Da das jüdische Pessach direkt am Tag des Vollmonds (dem 14. Nisan) beginnt, „wanderten“ die Christen mit ihrem Fest einfach auf den darauffolgenden Sonntag aus.

Die Sicherheitsregel für den Sonntag: Da das Mondjahr nicht eins zu eins mit unserem Kalender harmoniert, bedachte man auch den Sonderfall. Sollte der Frühlingsvollmond tatsächlich mal selbst auf einen Sonntag fallen, wird Ostern erst am darauffolgenden Sonntag zelebriert. So war sichergestellt, dass man zwar gemeinsam den Frühling und das Licht begrüßte, aber dennoch getrennte Wege ging.

Das Problem war gelöst: Egal, welcher Kalender in den folgenden Jahrhunderten gelten würde, die Tag-und-Nacht-Gleiche und der Vollmond blieben als kosmische Fixpunkte bestehen. Und weil Ostern nun fest im Sattel saß, wanderten alle abhängigen Feiertage – von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten – ganz automatisch mit ihrem „Ankerfest“ durch das Jahr.

Warum Eier und Tiere?

Ja, das mit den Regeln des Konzils war jetzt eine Sache, um Ostern einen Termin zu geben, doch ein Fest braucht mehr als nur ein Datum – es braucht Leben. Und genau dieses Leben drängte im Frühling mit aller Macht an die Oberfläche. Da die Natur sich nicht um Konzile schert, holten sich die Menschen die Symbole des Frühlings direkt vor die Haustür. Und so erklärten sich plötzlich Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen: Eier, die bunt werden, und Waldtiere, die zu heimlichen Lieferanten mutieren. Nun gut, das hat nun eigentlich so gar nichts mehr mit dem christlichen Glauben zu tun, sondern fußt eher tief in der Folklore, oder aber im Pragmatischen.

Eier waren seinerzeit ein sehr wertvolles Handelsgut, und „gute“ Eier hatten einen außergewöhnlich hohen Tauschwert. Ihre Verderblichkeit kollidierte in der strengen Fastenzeit vor Ostern mit den kirchlichen Gepflogenheiten, denn weder Fleisch noch Eier durften in dieser Zeit gegessen werden. Gut, es gab bestimmt den einen oder anderen Enthusiasten, der es den Hühnern zu erklären versuchte, aber die Hühner hatten letztendlich kein Verständnis für Fastenzeiten, weshalb sie auch in dieser Zeit unbeirrt ihre Eier legten.

Um die Eier zumindest haltbar zu machen, wurden sie eigentlich eher als Notlösung gekocht. Und damit man sie nach den 40 Tagen nicht mit den frischen Eiern verwechselte, färbte man sie traditionell rot ein. Das war nicht nur praktisch, sondern Rot ist auch die Farbe des Lebens und der Freude. Und Schwupps, aus einer pragmatischen Vorratslösung wurde das wohl erste fröhliche Symbol des Frühlings.

Danach kam auch erst einmal nichts neues. Bis zum 17. Jahrhundert etwa gab es zwar Eier, und es gab die Kirche, und es gab den Frühling – aber es gab niemanden, der die Eier aus einer Laune heraus „geliefert“ hat. Die Menschen wussten ja, dass sie von den Hühnern stammten. Dass man ein Tier als mystischen Boten erfand, passierte erst, als das Osterfest privater und spielerischer wurde. Normalerweise war die Kirche auch im 17. Jahrhundert sehr schnell dabei gewesen, wenn es darum ging, diesen „heidnischen Aberglauben“ oder weltliche Mythen zu unterbinden.

Dass sie gerade beim Osterhasen und seinen Kollegen beide Augen zudrückte, hatte strategische Gründe:

Die Kirche unterschied streng zwischen gefährlichem Aberglauben (wie Hexerei oder dem Anrufen alter Götter) und harmloser Folklore. Der Osterhase wurde nie als göttliches Wesen verehrt, dem man opferte. Er war stattdessen von Anfang an auch eine kirchlich genutzte pädagogische Fabel:

Da der Hase wegen seiner Wehrlosigkeit als Symbol für den gläubigen Menschen, der Schutz bei Gott sucht, galt, war er in der christlichen Symbolik ohnehin schon positiv gedeutet. Als dann die lokale Folklore ihn als Fabelwesen aufstellte, sah man in der Geschichte vom Eier-Bringer keine Bedrohung für ein kirchliches Dogma, es war ein Kinderspiel, kein Konkurrenz-Glaube. Man darf nicht vergessen: Die Menschen hatten gerade 40 Tage harter Entbehrung hinter sich. Die Kirche war sich bewusst, dass sie den Leuten ein „Ventil“ für ihre Lebensfreude lassen musste. Man kam also zum Schluss, dass man die Menschen also das Ende der Fastenzeit mit bunten Eiern und lustigen Tiergeschichten feiern ließe, würde das letztendlich auch der emotionalen Bindung an das Osterfest zuträglich sein.

Solange die Leute am Ostersonntag brav in der Messe saßen und die Auferstehung feierten, durften sie danach im Garten so viel „Hasen-Zauber“ für Kinder veranstalten, wie sie wollten. Und so kam es, wie es kommen musste:

Das kam bei den Menschen so gut an, dass es auch schriftlich dokumentiert wurde. In diesem Fall fand sich er entscheidende Beleg in der Schrift von Georg Franck von Franckenau aus dem Jahr 1682: Darin beschreibt er, dass es in der Region Elsass und Pfalz den Brauch gibt, dass ein Osterhase die Eier im Garten versteckt.

Kleiner Fun Fact:

Dass wir heute fast nur noch vom Osterhasen sprechen, würde einen Zeitreisenden aus dem 18. Jahrhundert vermutlich ziemlich wundern. Der Hase war vielleicht der erste, der solch einen Schabernack zur Osterzeit trieb, aber er war nicht allein. Denn bevor der Hase seinen Siegeszug antrat, war die Liste der „Oster-Lieferanten“ regional so bunt gemischt wie die Eier selbst.

In vielen Teilen Westfalens und Niedersachsens war es lange Zeit der Fuchs, der die Eier im Garten versteckte. In der Schweiz flog der Kuckuck herbei, um das Osterfest einzuläuten. In Thüringen vertraute man dem Storch. In anderen Ecken kam sogar ein Osterhahn. Dass der Hase letztlich das Rennen machte, liegt wohl auch daran, dass er 200 Jahre Vorsprung hatte und kirchlichen Beistand, dass er „durfte“, um letztendlich diese Nische für sich zu besetzen.

Ostern und die Moderne

Inzwischen liefern sich der Osterhase und die Kirche ein eigentlich spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Der kleine, wendige Hase hat dank der einstigen kirchlichen Rückendeckung eine erstaunliche Karriere hingelegt. Er hat das Fest mit den Eiern als eine Art neumoderne Folklore für sich beansprucht und wird, befeuert durch den Zeitgeist, wohl auch nicht so schnell wieder verschwinden.

Während die Kirche die Passion und Auferstehung Jesu Christi feiert, hat sich parallel ein buntes Frühlingsfest etabliert, das fast schon losgelöst von jeglicher Religion funktioniert. Hier geht es um Leichtigkeit, den Beginn der warmen Jahreszeit und – spannenderweise – um eine Rückkehr zu den Naturgeistern. Wir dekorieren Zweige, verstecken Schätze im Grünen und Feiern das Erwachen der Erde.

Ein Fest, viele Gesichter

Das Faszinierende daran ist, dass hier eindrucksvoll bewiesen wird, dass zwei Welten sich gar nicht ausschließen müssen. Ostern hat es geschafft, ein „Fest für alle“ zu werden.

  • Für die einen ist es der spirituelle Ankerpunkt ihres Glaubens.
  • Für die anderen ist es ein säkulares Familienritual, das den Winter offiziell verabschiedet.
  • Und für wieder andere ist es die rein astronomische Freude darüber, dass das Licht nun endlich wieder über die Dunkelheit siegt.

Vielleicht ist genau das das „Nette“ an diesem Fest, dass es einfach mal Platz für alle bietet. Ob man nun in der Kirchenbank sitzt, im Wald nach den Spuren von Fuchs und Hase sucht, oder einfach nur den ersten Kaffee in der Frühlingssonne genießt – irgendwie ist alles ein wenig der Moment des Aufbruchs. Denn zuguterletzt ist Ostern ein kosmisches Versprechen, das jedes Jahr aufs Neue eingelöst wird:

Egal wie hart der Winter war, das Leben kommt zurück. In Form von Blumen, in Form von Hoffnung oder eben auch pragmatisch in Form von bunt gekochten Eiern, die uns daran erinnern, dass selbst eine Vorratslösung aus dem Mittelalter uns heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

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